Das religiöse Bewusstsein. Auszug aus „Credo“ von D. Steindl-Rast Hrsg. von Gerhard Kracht.
Aus:
Credo: Ein Glaube, der alle verbindet [David Steindl-Rast (Autor), Dalai Lama (Vorwort)
- Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
- Verlag: Verlag Herder; Auflage: 3 (7. September 2010)
- Sprache: Deutsch
- ISBN-10: 3451303566
- ISBN-13: 978-3451303562
Herder
Wozu heute ein Buch über das Credo?
Kurz gesagt: Dieses Buch nimmt das persönliche religiöse Erleben auf ganz neue Weise ernst. Es geht hier nicht nur darum, den Inhalt des Glaubensbekenntnisses der persönlichen Erfahrung nahe zu bringen. Wir machen vielmehr diese Erfahrung hier zum Ausgangspunkt. Schließlich sind diese Glaubenssätze ja ursprünglich nicht fertig verpackt und zugeschnürt vom Himmel gefallen. Sie drücken vielmehr das religiöse Erleben jener Menschen aus, die das Credo zuerst formulierten. Dieses Erleben muss auch für uns nachvollziehbar sein. Offenbarung kommt ursprünglich von innen.
Unser Weltbild ist völlig anders als das vor-wissenschaftlich mythische, von dem das Credo geprägt ist. Der Ansatz unserer Auslegung dieses Textes nimmt also die Wissenschaft ernst, würdigen aber auch die tiefen Einsichten, die in poetischen Bildern, wie etwa der Jungfrauengeburt oder der Himmelfahrt, ihren Ausdruck finden. Unser kultureller Horizont ist heute global, während der, aus dem das Credo stammt, auf den Mittelmeerraum beschränkt war. Aus dieser globalen Sicht müssen wir heute zugeben, dass jede Religion – auch die christliche – Ausdruck eines allen Menschen gemeinsamen Ur-Vertrauens auf den Sinn des Lebens ist.
Wie gehen wir unsere Aufgabe an?
Erstaunlicherweise hat bisher noch kein Kommentator das Verständnis des Glaubensbekenntnisses aus allgemeinmenschlichem religiösem Bewusstsein heraus entwickelt.
Warum ist das so wichtig?
Weil diese Sichtweise das Credo zu etwas ganz anderem macht als das, wofür es gewöhnlich gehalten wird, nämlich für ein Aufreihung von Glaubenssätzen, durch welche Christen sich von allen anderen unterscheiden.
Das Glaubensbekenntnis, das mit den schwerwiegenden Worten “Ich glaube” beginnt, spricht zwar in der Formensprache der christlichen Tradition, jedoch mit der Stimme einer Spiritualität, die Gemeingut aller Menschen ist. Das Ich, das sagen kann “ich glaube” und es im Vollsinn sagen kann, ist unser wahres Ich, das eine echte, allen Menschen gemeinsam eigene Selbst.
Wie gehen wir unsere Aufgabe an?
Dieser Ansatz verwässert das Credo in keiner Weise. Er stellt vielmehr seine Quintessenz heraus. Wir relativieren den christlichen Glauben keineswegs, führen ihn vielmehr auf die einzige Quelle zurück, die als absolut gelten darf: die mystische Erfahrung. Dieses Buch geht davon aus, dass der Mystiker ja kein besonderer Mensch ist, sondern jeder Mensch ein besonderer Mystiker; es spricht alle, die es lesen,
als Mystiker an. Als ein möglicher Ausdruck mystischer Einsicht, die grundsätzlich allen Menschen zugänglich ist, wird so das apostolische Glaubensbekenntnis erst allen zugänglich, unabhängig von ihren religiösen Überzeugungen (oder dem Fehlen von solchen).
“ICH GLAUBE”
Was heißt das eigentlich?
Nur in der Zusammensetzung “ich glaube” enthüllt jedes dieser beiden Wörter seine volle Bedeutung: Glauben ist für das Ich, um das es hier geht, unendlich mehr als ein Für-wahr-halten; und nur das Ich, das in diesem Vollsinn glaubt, ist unser wahres menschliches Selbst.
Woher wissen wir das?
Jeder von uns weiß es aus eigener Erfahrung, kann es zumindest selbst nachprüfen.
Welchen Namen wir ihm auch geben wollen, dieses von Natur aus gläubige Selbst in uns zu finden, ist uns möglich, ja, es ist das Ziel aller spirituellen Übungen. Wenn wir diese Möglichkeit auch nur von ferne erahnen, dann wissen wir, was es bedeutet, im Sinne des Credos zu sagen: ICH GLAUBE.
Nur einem Du gegenüber hat es überhaupt Sinn, “ich” zu sagen. Dass ein Du mir vertraut, macht mein Selbstvertrauen erst möglich. Die Begegnung von Ich und Du ist der Quellgrund, aus dem gläubiges Vertrauen entspringt. Ich werde ich, indem ich dir vertraue. Das Ich, das diesem Vertrauen entstammt, glaubt eben; es ist unser wahres Selbst, das Ich, das im Credo sagt: ICH GLAUBE.
„ICH GLAUBE AN GOTT“
Was heißt das eigentlich?
Wenn wir die beiden ersten Wörter – ICH GLAUBE – recht verstanden haben, dann ist es fast verwunderlich, dass hier noch ausdrücklich AN GOTT hinzugefügt wird. Im tiefsten Sinne glauben kann man ja nur an Gott. Ja, indem wir glauben, bekommen wir sozusagen erst ins Blickfeld, was wir Gott nennen, richten uns auf das aus, was allein Gott genannt zu werden verdient, wenn wir überhaupt wagen wollen, es zu benennen.
Die beiden Wörter ICH GLAUBE enthalten schon alles, was das Glaubensbekenntnis im einzelnen entfalten wird, so wie ein Samenkorn schon die ganze Pflanze enthält. Im Lateinischen sind die beiden sogar nur ein Wort CREDO, das im Deutschen oft für das ganze Glaubensbekenntnis steht und ihm seinen Namen gibt. Im lateinischen Wort CREDO schwingt die Bedeutung zweier Wortelemente mit: „COR“ (=Herz) und „DO“ (=ich gebe). Das heißt, im Glauben setze ich mein Herz auf das, woran ich glaube; ich gebe mich zuinnerst hin. In diesem Sinn ist der Glaube eben mehr als eine Zusammenfassung von Geglaubtem, mehr als eine Liste von Glaubenssätzen. Was sich in Sätzen aussprechen lässt, bleibt immer unzulänglicher Versuch, das auszudrücken, was die stumme Gebärde des Glaubens meint, wenn unser Herz sich auf das Unaussprechliche hin öffnet und sich auf diese Wirklichkeit verlässt.
Abraham Maslow, ein bahnbrechender Forscher und Denker des 20. Jahrhunderts, stellte sich die Aufgabe, herauszufinden, was psychologisch vorbildlich entwickelte Menschen zu solchen mache. Zu seiner Überraschung stellte sich heraus, dass geistig besonders leistungsfähige, gesunde, schöpferische und widerstandsfähige Menschen eines gemeinsam haben: mystische Erfahrungen. Sie alle berichteten bei Maslows Untersuchungen von Augenblicken, in denen sie sich einer grenzenlosen Zugehörigkeit bewusst wurden und alles, was es gibt, als wahr und gut und schön erlebten – ganz so wie die großen Mystiker der verschiedenen Traditionen. Maslow prägte den Ausdruck “Gipfelerlebnis,” weil es seinen Kollegen unpassend erschien, in der wissenschaftlichen Literatur von “mystischen Erfahrungen” zu sprechen; bis zu seinem Lebensende bestand er allerdings darauf, dass zwischen beiden kein Unterschied bestehe.
Eine zweite Entdeckung, zu der Maslows Forschung führte, war ebenso unerwartet, dass nämlich – soweit es erlaubt ist, zu verallgemeinern – alle Menschen Gipfelerlebnisse zu haben scheinen. Was die hervorragenden von den gewöhnlichen Sterblichen unterscheidet, ist die Art und Weise, wie sie mit dem Erlebten umgehen. Was Menschen geistig groß und gesund macht, ist, dass sie ihr Leben von ihren mystischen Erfahrungen prägen lassen, sie nicht vergessen oder verdrängen, sondern sich nach ihnen ausrichten. So entspringen z. B. aus dem Bewusstsein grenzenloser Zugehörigkeit ein Gemeinschaftsgefühl, das alle Menschen einschließt, und die Bereitschaft, danach zu handeln. Aus der überwältigenden Erfahrung des Wahren, Schönen und Guten entspringt ein dankbares Wachsein für die Gaben, die jeder Augenblick uns schenkt. Und diese Haltung ist bei großen Menschen andauernd und lebensprägend.
Hier am Beginn des Glaubensbekenntnisses ist uns noch kein Bild für GOTT gegeben, nicht einmal der durch Paul Tillich bekannt gewordene, fast bildlose Ausdruck “Urgrund des Seins.” (Er stammt vom englischen Dichter Gerard Manley Hopkins – “Ground of being, and granite of it: past all / Grasp, God“ – “Urgrund des Seins, und sein Urgestein: Jenseits von allem / Begreifen, Gott.”) Hier steht GOTT nur erst einmal für den Zielpunkt der abgrundtiefen, unaustilgbaren Sehnsucht des menschlichen Herzens nach letztem Sinn. Von dieser Sehnsucht lässt sich aber das Vertrauen auf ihre Erfüllung nicht wegdenken; unser Vertrauen, dass sie gestillt werden wird, gehört wesentlich zu ihr. Und dieses Vertrauen ist der Ur-glaube an Gott.
Woher wissen wir das?
Kurz gesagt, aus Erfahrung. Sobald unser menschliches Bewusstsein erwacht, sind wir uns auch schon – ganz gleich wie blass und undeutlich – des göttlichen Bereiches bewusst. Ist Dir schon einmal aufgefallen, dass alles, was Du erlebst, in Dir zu einer Geschichte gestaltet wird, die Du innerlich jemandem erzählst?
Lange bevor uns Gotteserfahrung auf irgend eine Weise konkret zuteil wird, ist Gottesbewusstsein die Voraussetzung unseres bewussten Seins überhaupt, der Bildschirm, auf dem sich alles, was uns sonst bewusst wird, abzeichnet. Dass uns etwas bewusst wird, heißt ja, dass es uns zunächst anspricht und dass wir es wieder als inneres Wort aussprechen; das setzt aber ein Gegenüber voraus. Was wir GOTT nennen, wenn wir dieses Wort richtig verwenden, ist eben unser innerstes Ur-Gegenüber.
Viele Menschen haben heute Mühe, wenn von GOTT die Rede ist. Das kann ich nur zu gut verstehen. Allzu oft wurde dieses Wort ja missbraucht. Um Missverständnisse zu vermeiden, gebrauche ich selber oft andere Ausdrücke: “Letzte Wirklichkeit”, “Urgrund des Seins”, “Quelle aller Lebendigkeit”. Wenn wir aber den Text, der uns hier vorliegt, verstehen wollen, dann geht es nicht darum, das Wort GOTT durch ein anderes zu ersetzen, sondern darum, unser Verständnis dafür zu vertiefen, was hier im Zusammenhang des Glaubensbekenntnisses eigentlich damit gemeint ist.
In Augenblicken, in denen uns unsere tiefste Zugehörigkeit – und somit GOTT – bewusst wird, quillt gläubiges Vertrauen ganz spontan auf. Abraham Maslow (1908 – 1970) spricht da von „Gipfelerlebnissen“ – Peak Experiences. In diesen besten, wachsten, lebendigsten Augenblicken unseres Lebens wissen wir uns mit einer Wirklichkeit verbunden, die weit über unser begrenztes Selbst hinausgeht. Diese Erfahrung innigster Zugehörigkeit ist so grundlegend, dass es sinnlos wäre , sagt Maslow als Psychologe, zu fragen, ob wir es da mit Phantasie oder Wirklichkeit zu tun haben. Was sollen wir denn als Wirklichkeit bezeichnen, wenn nicht solche Urerfahrungen? Sie liefern uns ja überhaupt erst den Maßstab für das, was verdient „wirklich“ genannt zu werden.
Weshalb ist dieser Punkt so wichtig?
Nichts ist uns Menschen wichtiger, als im Leben Sinn zu finden. Alle Schmerzen und Schwierigkeiten sind auszuhalten, solange wir darauf vertrauen, dass alles Sinn hat. Sobald wir aber am Sinn des Ganzen zweifeln, können uns selbst die günstigsten Lebensumstände nicht vor der Verzweiflung retten. Wie würdest Du selber die Frage beantworten: Was gibt meinem Leben Sinn? Wie immer Du darauf antwortest, eines ist sicher: Irgend eine Form von Zugehörigkeit wird sich in Deiner Antwort ausdrücken. So zeigt uns unsere eigene Erfahrung: Was unserem Leben Sinn gibt, ist Zugehörigkeit. Wir sollten diese Erfahrungstatsache nicht vergessen.
Eine zweite Einsicht ist ebenso wichtig: Unsere tiefste Zugehörigkeit ist die zu Gott.
Aber halt! Wir dürfen nicht annehmen, dass wir von vornherein wüssten, was wir unter GOTT verstehen. Wir müssen das umgekehrt angehen und uns zuerst fragen: Worin ist meine tiefste Zugehörigkeit verankert – jenseits all dessen, was entsteht und vergeht? Die Antwort darauf zeigt uns dann erst, was wir persönlich mit GOTT meinen. Nur so erhält das Wort GOTT eine für uns persönlich gültige Bedeutung. Die Form, in welcher sich unser Gottesglaube ausdrückt, ist nicht von letzter Wichtigkeit, sie kann sich ändern. Worauf es ankommt, ist, dass wir uns der abgründigen Tiefe bewusst werden, in die wir den Anker unserer Sinnsuche hinabgelassen haben, dass wir daran erkennen, was GOTT für uns persönlich bedeutet, und dass wir dadurch in unser tägliches Leben Sinn und Freude einfließen lassen.
Das Credo ist ursprünglich ein Taufbekenntnis. Das Untertauchen im Taufwasser wird da zum sakramentalen Sinnbild für ein Hineingeborenwerden in neues Leben: Gottes Leben in uns und unser Leben in Gott – dem dreieinigen. Der feierliche Dreischritt der Formel ICH –GLAUBE – AN GOTT nimmt hier schon vorweg, worum es bei dieser Dreieinigkeit geht: Es geht vor allem um das unbegreifliche Du – nämlich GOTT als Gegenüber – das mir entgegenwartet und mich erst dadurch zum Ich macht (das Credo wird dieses Du “Vater” nennen); dann geht es um eben dieses ICH, das mit göttlichem Leben lebendig ist (Christus in uns); und schließlich um lebendiges GLAUBEN, in dem sich dieses Leben ausdrückt, und das die beiden Pole – Gott und Ich – innerhalb der einen göttlichen Wirklichkeit vereint (um den Heiligen Geist). Der ganze Text des Glaubensbekenntnisses wird nach und nach entfalten, was der Satz ICH GLAUBE AN GOTT mit seinen drei Aspekten vorwegnimmt. Darum ist dieser erste Satz so wichtig.
Persönliche Erwägungen
Im Credo geht es nirgends um Argumente für oder wider Gottes Existenz. Auch dem menschlichen Herzen geht es nicht um Spekulationen, sondern um Erkenntnis. Pascal hat dieser Tatsache ihren bleibend gültigen Ausdruck gegeben: “Le coeur a ses raisons, que la raison ne connaît point.“ – "Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt." Nur unser mystisches Erleben kann diese Gründe ausloten; nur in dichterischer Sprache dürfen wir wagen, davon zu reden.
Der Dichter David Whyte entfaltet Pascals Einsicht in gegenwartsnaher Sprache. Darum ist es nicht erstaunlich, dass sein “Selbstbildnis” in den USA zur Zeit zu einem der meist zitierten Gedichte geworden ist. Mit seinen ersten, sehr herausfordernden Worten schon spricht es vielen Menschen unserer Zeit aus dem Herzen – und zwar keineswegs nur spirituell gleichgültigen, sondern vor allem den ernstlich Gott Suchenden:
“Es interessiert mich nicht, ob es einen
Gott gibt oder viele Götter.”
Und warum nicht? Weil das rein theoretische Fragen sind. Dem Herzen aber geht es um Einsicht, die der Erfahrung entspringt.
Und von Erfahrung sprechen gleich die nächsten Zeilen:
“Ich möchte wissen, ob du
dazugehörst oder dich verlassen fühlst,
ob du Verzweiflung kennst und sie erkennen kannst
in anderen.”
Darauf kommt es also an: Ob wir jene allumfassende Zugehörigkeit kennen, die den Gegenpol darstellt zu Verlassenheit und Verzweiflung. Wir dürfen sicher sein, dass wir schon irgendwann einmal dieses All-eins-sein gefühlt haben – in einem Gipfelerlebnis, würde Maslow sagen. Wir dürfen uns nur nicht irreführen lassen durch diesen Ausdruck und gleich ans Matterhorn denken oder an einen Gipfel im Himalaya. Vielleicht war unser persönlicher Gipfel im Vergleich dazu ein Ameisenhaufen; das spielt keine Rolle. Es genügt jedenfalls, dass wir uns schon einmal so recht daheim gefühlt haben im All, wenn auch nur einen Augenblick lang. Wir hörten etwa eine Melodie (Händels Alleluja ist für mich so eine) und waren plötzlich so ganz da; alles war recht so, wie es war, und wir waren Teil des Ganzen, waren irgendwie das Ganze. Einmal wenigstens, das genügt – oder es sollte genügen. Wir dürfen das Geschenk eines solchen Augenblickes nur nicht vergessen. Sooft wir uns dankbar daran erinnern, wissen wir, dass wir “dazugehören” und sind vor der Verzweiflung gerettet.
Selbstbildnis David Whyte
Es interessiert mich nicht, ob es einen
Gott gibt oder viele Götter.
Ich möchte wissen, ob du
dazugehörst oder dich verlassen fühlst,
ob du Verzweiflung kennst und sie erkennen kannst
in andern. Ich möchte wissen,
ob du zu leben bereit bist in der Welt
mit ihrem harten Zwang,
dich zu verändern. Ob du zurückschauen kannst
mit festem Blick und sagen:
“Hier stehe ich.” Ich möchte wissen,
ob du es verstehst,
in die feurige Lebenshitze hineinzuschmelzen,
hineinzufallen
mitten in deine Sehnsucht. Ich möchte wissen,
ob du bereit bist,
Tag für Tag die Folgen der Liebe zu ertragen
und die ungewollte bittere Leiden-
schaft deiner unausweichlichen Niederlage.
In dieser feurigen Umarmung, heißt es,
reden selbst die Götter von Gott.
Self Portrait by David Whyte
It doesn't interest me if there is one God
or many gods.
I want to know if you belong or feel
abandoned.
If you know despair or can see it in others.
I want to know
if you are prepared to live in the world
with its harsh need
to change you. If you can look back
with firm eyes saying
this is where I stand. I want to know
if you know
how to melt into that fierce heat of living
falling toward
the center of your longing. I want to know
if you are willing
to live, day by day, with the consequence of love
and the bitter
unwanted passion of sure defeat.
I have been told, in that fierce embrace, even
the gods speak of God.
„Ich glaube an Gott, DEN VATER“
Was heißt das eigentlich?
An Jesus fiel schon seinen Zeitgenossen auf, dass er auf ganz persönliche Art Gott “Abba” – VATER – nannte. Vielen Christen ist das Bild Gottes als Vater zu vertraut geworden; sie vergessen dabei allzu leicht, dass es doch nur ein Bild ist. Andere bemerken, dass der ausschließliche Gebrauch des Vaterbildes für Gott weitreichende psychologische und soziologische Verzerrungen bewirkten kann. Zu viele männliche Züge werden da unbewusst in die Gottesvorstellung hineinprojiziert; zu viele mütterliche Aspekte werden übersehen. Das unterstützt männlichen Chauvinismus in Kirche und Gesellschaft und es kann leicht dazu verleiten, sich Gott so vorzustellen wie den eigenen Vater, mit allen Spannungen, die daraus erwachsen. Selbst das treffendste Bild für Gott bleibt immer unzulänglich. Bilder und Worte „gehen am Unsäglichen aus”, sagt Rilke, wie die Sterne ausgehen am Tag.
„Ich glaube an Gott, den Vater, DEN ALLMÄCHTIGEN“
Was heißt das eigentlich?
Zuerst bekennen wir unseren Glauben an Gott, den Jesus uns als liebenden Vater kennen lehrte, und dann erst nennen wir Gott den ALLMÄCHTIGEN. Diese Abfolge ist für den Sinngehalt wichtig. Wir beginnen nicht mit dem Begriff von Allmacht, sondern mit dem Bild eines liebenden Vaters. Was allmächtig bedeutet, ist in diesem Zusammenhang vom philosophischen Begriff göttlicher Allmacht unterschieden. Nur als liebendem Vater spricht das Credo Gott Allmacht zu. Nichts ist allmächtig, außer Liebe. Lebenserfahrung lehrt uns, dass Liebe die Macht hat, selbst die verfahrensten Situationen in Ordnung zu bringen, indem sie ihnen einen neuen, tieferen Sinn gibt. Wir dürfen die Einsicht des hl. Augustinus, „Ordo est amoris“, so verstehen, dass die Weltordnung – die uns oft so chaotisch, ja absurd anmutet – durch die Allmacht der Liebe doch letztlich Sinn hat.
Warum ist das so wichtig?
Indem wir Gott unseren Vater nannten, begannen wir uns selbst und die ganze Welt als Gottes Haushalt in einem neuen Licht zu sehen: im Licht der Liebe. Indem wir nun diese Liebe allmächtig nennen, bekennen wir gläubig, dass ihr Licht nicht nur in die Finsternis hinein, sondern „in Finsternis leuchtet“ (Joh 1,5) – im Leiden, im Widersprüchlichen, im letztlich Unverständlichen. Liebe ist ALLMÄCHTIG, weil sie die Finsternis zum Licht machen kann, indem sie ihr Sinn gibt. Ein solcher Glaube erschließt ganz neue Möglichkeiten, mit der Schattenseite der Wirklichkeit schöpferisch umzugehen.
All das hier Gesagte bleibt billiger Trost, solange wir Denken nicht umsetzen in Tun – in unseren eigenen dunkelsten Stunden und den Dunkelstunden der Menschheit. Da kommen uns vielleicht Namen in den Sinn von Menschen die uns als Pioniere diesen Weg vorangegangen sind – Hildegard von Bingen, Elisabeth von Thüringen, Vincenz von Paul, Florence Nightingale, Albert Schweitzer, Dietrich Bonhoeffer, Mutter Teresa... Diese Frauen und Männer – und gar erst ihr Vorbild, Jesus Christus – waren auf der geschichtlichen Ebene am Ende doch die Unterlegenen. Dadurch warnen sie uns auch: Wir dürfen die ALLMACHT Gottes nicht als höchste Steigerungsstufe der Macht der Mächtigen missverstehen. Das Machtsystem der Welt ist ja eine Hauptursache der Leiden. Sie standen auf der Seite der von diesem System Unterdrückten und Ausgebeuteten, und sie unterlagen. Trotzdem sind sie strahlende Zeugen dafür, dass die ALLMACHT Gottes, die das Credo meint, nämlich die ALLMACHT der Liebe, das Leid überwindet, indem es dem Leben Sinn gibt. Liebe ist allmächtig, selbst in der Niederlage.
Persönliche Erwägungen
Das Wort ALLMÄCHTIG kann leicht irreführen, weil es uns dazu verleitet, die Macht der Mächtigen in der Weltgeschichte zum Maßstab dafür zu nehmen, was wir Macht nennen. Alle spirituellen Traditionen der Welt kennen aber einen anderen Maßstab. Paulus drückt ihn so aus: “Die göttliche Schwachheit ist stärker als die Menschen sind” (1 Kor 1,25). “Wenn ich schwach bin, bin ich stark”, sagt er (2 Kor 12,10). Diese Wahrheit zeigt sich meist erst nach und nach als letztgültig. Vielleicht sollten wir Gott daher lieber „letztmächtig” nennen als ALLMÄCHTIG. Vor 2500 Jahren schon schrieb Laotse im Tao Te King:
Auf der ganzen Welt
gibt es nichts Weicheres und Schwächeres als das Wasser.
Und doch in der Art, wie es dem Harten zusetzt,
kommt nichts ihm gleich.
Es kann durch nichts verändert werden.
Dass Schwaches das Starke besiegt
und Weiches das Harte besiegt,
weiß jedermann auf Erden,
aber niemand vermag danach zu handeln.
„SCHÖPFER DES HIMMELS UND DER ERDE“
Was heißt das eigentlich?
Gott SCHÖPFER zu nennen heißt, sich gläubig darauf zu verlassen, dass alle Dinge und Begebenheiten letztlich Sinn haben müssen, weil sie aus jener tiefsten Sinnquelle fließen, die wir Gott nennen. Beim Schöpfernamen schwingt die Vorstellung weiser Ordnung mit, von durchgreifender, bis ins einzelne gehender Gestaltung, von treuer Fürsorge. Die Triebkraft jedes Schöpfungsprozesses ist Liebe. Alles ist Geschenk, und das gibt allem Sinn.
Aber Vorsicht: Auch Schöpfung ist nur ein bildlicher Ausdruck; auch SCHÖPFER ist nur ein Bild, und bildliche Vorstellungen können irrefűhren. Beim Schöpfungsbegriff müssen wir uns vor dem Irrtum hüten, es handle sich um einen Anstoß von außen. Die schöpferische Kraft im Weltall ist zwar Geschenk, wirkt aber als Be-gabung von innen her. Sie ist eins mit dem Selbstverwirklichungsimpuls von allem, was es gibt. Gott ist kein kosmischer Uhrmacher, obwohl wir das Universum als Kosmos, als bis in die letzte Einzelheit geordnetes Ganzes erleben. Das Wort Kosmos kommt ja vom griechischen κοσμεῖν (kosmein), das “ordnen” bedeutet. Auch hier ist das oben erwähnte Augustinuswort anwendbar: „Ordo est amoris”; alle Ordnung entspringt letztlich der Liebe.
HIMMEL UND ERDE bedeutet hier: Alles, was es gibt – „alles Sichtbare und alles Unsichtbare”, wie eine andere Fassung des Credo es ausdrückt; aber auch das ist nur bildlich gesprochen. Wir könnten vielleicht statt HIMMEL UND ERDE Bewusstsein und Materie sagen; das wäre etwas trocken, dafür aber unserem heutigen Verständnis näher. ERDE bedeutet alles, was unseren Sinnen zugänglich ist – das materielle Universum; HIMMEL ist alles, was darüber hinausgeht. Früher wurden HIMMEL UND ERDE im Sinne von oben und unten verstanden, unserer heutigen Vorstellung entspricht es eher, an Innen und Außen zu denken, an Verborgenes und Offenbares.
Durch die Begegnung mit fernöstlichem Gedankengut sind heute nicht wenige Menschen, die sich über diese Dinge Gedanken machen, mit der Unterscheidung zwischen der manifestierten und der un-manifestierten Wirklichkeit vertraut. Diese beiden Begriffe drücken gut aus, was das Begriffspaar HIMMEL UND ERDE sagen will. So könnten wir unter ERDE alles schon Verwirklichte verstehen und unter HIMMEL alles, was noch „in Gott verborgen“ liegt (Kol 3,3) – verborgen in dem mit Schöpferkraft schwangeren göttlichen Nichts. Der große Theologe und Religionsphilosoph Raimundo Panikkar sagt dazu treffend: „Das Nichts, aus dem Gott alles erschafft, ist Gott.”
Eine ganz frühe Schicht menschlicher Religiosität spricht von Gott als SCHÖPFER, und dieses Bild ist auch heute noch außerhalb des Christentums in vielen Teilen der Welt lebendig. Mit dem Glauben all dieser Menschen verbinden wir uns, so oft wir im Glaubensbekenntnis Gott als SCHÖPFER HIMMELS UND DER ERDE bekennen. Das Überleben der menschlichen Familie – unser eigenes nicht weniger als das der Guarani im Regenurwald – hängt davon ab, unsere Gemeinsamkeit bewusst zu bejahen. Schöpfungsglaube kann da ein Bindeglied sein, wenn wir das dichterische Bild der Weltschöpfung nicht wörtlich nehmen, was seinem Sinn widerspräche. Wir sind Familienmitglieder des „Welthaushalts“ (Gary Snyder), in dem alle von allen abhängen.
„UND AN JESUS CHRISTUS“
Was heißt das eigentlich?
Das rechte Verständnis dieses Glaubensartikels hängt an dem Wörtchen „und“, mit dem er beginnt. Dieses „und“ bedeutet nicht Zusatz, sondern Erläuterung . In einem Satz wie etwa, „die Sonne und ihre Wärme wird dir gut tun“ ist ja die Wärme nichts zur Sonne Zusätzliches. Zu Gott lässt sich nichts hinzufügen. Und was unseren Glauben an Gott betrifft, was könnte man vorbehaltlosem Vertrauen noch hinzufügen? Der Glaube an Jesus Christus ergänzt den allen Menschen zugänglichen Gottesglauben also nicht, sondern erläutert ihn nur, und zwar im christlichen Sinn. Wenn die Sonne und ihre Wärme uns gut tun, warum nicht auch ihr Licht?
UND AN JESUS CHRISTUS macht also klarer, wie wir Menschen Gott erleben können: nicht nur als Vater, als allmächtige Liebe, als Schöpfer, sondern auch als die Wirklichkeit, die uns in Jesus Christus begegnet. Ganz früh schon sagten Christen: “Hast du deine Schwester, deinen Bruder gesehen, dann hast du Gott gesehen.” In der dichterischen Sprache der Bibel sagt ja der Schöpfer: “Lasst uns Menschen schaffen als unser Bild, uns ähnlich”(Gen1,26). Die Ähnlichkeit des Bildes ist bei uns leider oft verschwommen oder verwischt. Die Menschen aber, auf die das Credo letztlich zurückgeht, waren überrascht, wie leicht es war Gott zu sehen, wenn man Jesus in die Augen schaute, Gott zu hören, wenn Jesus sprach. Begeistert legten sie in Wort und Tat Zeugnis dafür ab, und bis heute begegnen Christen Gott in und durch JESUS CHRISTUS.
Woher wissen wir das?
Was wir von JESUS wissen, das haben wir von anderen erfahren; was CHRISTUS heißt, das kennen wir aus eigener Erfahrung, auch wenn wir nie von Jesus hören. Von dieser inneren Christuswirklichkeit soll hier zuerst die Rede sein.
„Verliebte sind blind“, heißt es; sie sind aber zugleich auch besonders hellsichtig. Wenn wir jemanden aus ganzem Herzen lieben, dann kann es vorkommen, dass wir plötzlich erfahren, wie uns in einem anderen Menschen Gott begegnet. Das ist weit entfernt von vernarrter Vergötterung. Worum es geht, ist vielmehr ein gegenseitiges Anschauen Liebender: so innig und so tief, dass der Blick bis zum göttlichen Wesensgrund des Anderen durchdringt. Eine solche Erfahrung kann zur Einsicht führen, dass, was wir Gott nennen, nicht nur alle unsere Horizonte überschreitet, sondern uns zugleich “zuinnerst näher ist, als wir uns selber sind” („Intimior intimis meis“, sagt Augustinus). Im Bild der Bibel heißt das, dass wir „als Gottes Ebenbild“ geschaffen sind. Unsere Gottesähnlichkeit wird umso strahlender leuchten, je mehr wir unser ureigenstes Selbst – Christus-in-uns – verwirklichen. In diesem Sinne muss man nicht Christ sein, um Christus zu kennen. Einfach als Menschen sind wir mit Christus in dem Ausmaß vertraut, in dem wir uns selber kennen, sind ihm in dem Ausmaß verbunden, in dem wir unserer innersten Wirklichkeit getreu leben. Indem Du Dich selber kennst, kennst Du Christus; indem Du Dich selber verwirklichst, wirkt Christus in Dir; indem Du Dein wahres Selbst findest, findest Du Christus.
Dreierlei muss zusammenkommen, bevor wir sagen können, dass wir an Gott UND AN JESUS CHRISTUS glauben:
- Wir müssen unser wahres Selbst, die Christuswirklichkeit in uns, wenigstens keimhaft erfühlen.
- Wir müssen die geschichtliche Gestalt Jesu und die gewaltfreie Revolution, für die er sein Leben gab, genügend kennenlernen.
- Und wir müssen diese beiden verbinden, indem wir uns mit Überzeugung hinter sein Programm sozialer Veränderung (“das Reich Gottes”) stellen und so zugleich unser göttliches Selbst (Christus-in-uns) verwirklichen.
Manche, die sich Christen nennen, erfüllen leider diese drei Bedingungen nicht. Wenn wir sie erfüllen, dann sehen wir in JESUS CHRISTUS unsere eigene gottmenschliche Selbstverwirklichung vorgebildet. Der Glaube an JESUS CHRISTUS ist tiefstes Vertrauen nicht auf etwas außerhalb von uns, sondern vielmehr darauf, dass Gottes Gegenwart sich auch in uns selber und durch uns in der Welt verwirklichen will und kann.
Das hilft uns verstehen, warum der Glaube AN JESUS CHRISTUS keine Kluft aufreißt
zwischen Christen und Andersgläubigen, obwohl das in der Vergangenheit oft missverstanden wurde. Im Gegenteil, die wichtige Einsicht, die das Credo hier ausspricht, ist: Das Göttliche kann sich inmitten des Menschlichen verwirklichen – also auch in mir selbst. Das gilt nicht nur für Christen, sondern für uns alle. Gott will sich im Menschlichen offenbar machen, wenn wir nur unsere Herzen dafür öffnen. Nur gemeinsam können wir dieser Anforderung gerecht werden. Mensch sein ist nicht Privatsache. Unsere Zeit stellt uns vor die Aufgabe, ein für alle Menschen gültiges Weltethos klar zu formulieren. Unser Überleben hängt davon ab. Die ganze Menschheit und jeder Einzelne von uns ist da herausgefordert. Es gibt keine höhere Aufgabe für uns Menschen als Menschlichkeit.
Das wichtige UND in unserem Satz bedeutet, dass ich nicht nur an den Gott jenseits aller Horizonte glaube, sondern auch an Gott in mir, Gott immanent in der Welt – und auf ausgezeichnete Weise in JESUS CHRISTUS. Das gibt unserem Glauben an Gott einen handgreiflichen Bezugspunkt – den geschichtlichen JESUS –, und es gibt uns eine klare Aufgabe: durch gewaltfreie Revolution für eine neue Weltordnung einzutreten, für “das Reich Gottes.” Beides ist wichtig.
„... und an Jesus Christus, SEINEN EINGEBORENEN SOHN“
Was heißt das eigentlich?
Es heißt jedenfalls nicht das, was sich Christen wie Nicht-Christen allzu oft darunter vorstellen. Das landläufige Verständnis ist nämlich zu sehr von Vorstellungen der griechischen Mythologie geprägt, aus der uns etwa Castor und Pollux als von Jupiter gezeugte Gottessöhne bekannt sind. In welchem Sinne Jesus „Sohn Gottes“ ist, muss von einer anderen Tradition her verstanden werden, nämlich der biblischen. Dort ist das Urbild für Gottessohnschaft „Adam, der Sohn Gottes“ (Lk 3,31). Wenn die Bibel Adam – den Menschen schlechthin – Sohn Gottes nennt, dann gilt das für alle Menschen. Wir alle sind Adam – das bedeutet ja „Erdling“ – und sind dazu berufen, als „Gottes Ebenbild“ zu leben. Jesus Christus wird der zweite, der neue Adam genannt, weil er (im Gegensatz zum ersten, alten Adam – und zu den meisten von uns) dieser höchsten menschlichen Aufgabe gerecht wurde. So verstanden ist Jesus Christus „Gottes Sohn,“ nicht obwohl er Mensch ist, sondern gerade deshalb weil er Mensch ist und Vorbild wahren Menschseins. In biblischer Sicht ist Gotteskindschaft für jeden Menschen Gabe und Aufgabe.
Richtig verstanden ist die Gottessohnschaft Jesu Christi nichts, was exklusiv, also uns ausschließend wäre, sondern sie schließt alle Menschen ein. Das gilt auch von seiner Stellung als „eingeborener“ – d. h. einzig geliebter – Sohn. Gott liebt jeden Menschen so, als ob es nur diesen einen Menschen gäbe. Darin besteht das Herzstück der Lehre Jesu, und dazu bekennen wir uns in gläubigem Vertrauen, wenn wir Jesus Christus Gottes EINGEBORENEN SOHN nennen. Er ist Repräsentant der ganzen Menschheit. Wer auf Gottes väterliche Liebe vertraut, glaubt an sich selbst als “einzig geliebtes” Gotteskind.
Woher wissen wir das?
Die sprachwissenschaftlichen Befunde, die zum Verständnis von Ausdrücken wie „Sohn Gottes“ oder „eingeborener Sohn“ verhelfen können, sind heute allgemein zugänglich. Viele der nötigen Handbücher sind auch für Laien verständlich. Die mythische Vorstellung von Jesus als Gottes eingeborenem Sohn ist leider so eingefahren und weitverbreitet, dass es Mühe kostet, sich von einem wörtlichen Verständnis dieses Bildes zu befreien. Ja, es fällt vielen Menschen schwer, überhaupt wahrzunehmen, dass es sich bei Gottessohnschaft um ein Bild handelt, freilich eines, das tiefe Wahrheit aufzeigt. Reife Menschen sind dafür verantwortlich, sich auch in Glaubensfragen weiterzubilden.
Persönliche Erfahrung ist freilich noch wichtiger als Bücherwissen.
„Niemand kennt den Vater als der Sohn“(Mt 11,2) heißt es im Evangelium, und das ist wirklich eine Frohbotschaft. Es bedeutet nämlich, dass alle, die Gott als Vater kennen, Söhne und Töchter Gottes sind. Wie ich oben zu zeigen versuchte, ist grundsätzlich allen Menschen verständlich und zugänglich, was es heißt, Gott als Vater zu kennen. Das gilt auch für jene, die eine ganz andere religiöse Sprache sprechen und denen es fremd ist, Gott “Vater” zu nennen.
(Ende der Einführung. G. K.)
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