Derrida lesen, Dekonstruktion praktizieren, usw. Markus Chmielorz, Christoph Fleischer, Dortmund, Werl 2011
Die Fragen unter den Ziffern 1. – 5. stellt Markus Chmielorz.
1. Advent - Derrida und die Religion
Derrida bringt das, was er vorfindet und das, was noch nicht ist, in ein Verhältnis - das jedoch nicht im Sinne einer Hierarchie von Ist und Soll. Zukunft, Advent, lässt sich lesen als ein Aufscheinen von Möglichkeit, von Unverfügbarkeit schon jetzt, schon hier. Derridas Werk ließe so eine quasi messianische Lesart zu.
1994 sprechen Gianni Vattimo und Jacques Derrida auf der Insel Capri über die Religion. [1] Vattimo hatte sich im Anschluss an Heidegger der Schwächung der starken Strukturen zugewandt und hatte den Begriff der kenosis in Bezug auf das Christentum in Erinnerung gerufen. Ihm geht es um das Sein, das sich dem objektivierenden Begriff entzieht und dann um einen "schwachen Glauben", der so etwas wie eine nachmetaphysische Transzendenz bezeichnen könnte. Denn wenn nach Feuerbach "Gott" Projektion ist, dann nimmt Derrida die Kritik daran ernst, den Namenlosen, [ ], auf den Begriff zu bringen. Wie könnten aus einem Blickwinkel von Dekonstruktion Mythos und Moderne (nach der Kant'schen Vernunftreligion) wieder zusammengebracht werden?
2. Was bedeutet: "Die Einheit des Wortes dislozieren" [2]? - Über das Verhältnis von Theorie und Praxis
Dekonstruktion ist heute vor allem: universitärer Diskurs. Die Sprache der Universität ist ebenso wie die Sprache der Religion (oder die der ästhetischen Erfahrung) eine Enklaven-Sprache, die geeignet ist, diejenigen Erfahrungen auszudrücken, die nicht in der Alltagssprache auszudrücken sind. Dennoch wäre ein Projekt der Übersetzung von Dekonstruktion in Alltagssprache und Alltagspraxis lohnenswert, auch deshalb, weil nicht von der Hand zu weisen ist, dass Dekonstruktion eine implizite Ethik mit sich führt.
3. Wie Dekonstruktion und Systemtheorie ineinander bringen?
Die Wiener Vorlesung von Arno Böhler und Martin Füllsack stellt Derrida und Luhmann nebeneinander. Wie jedoch könnte Systemtheorie mit Hilfe von Dekonstruktion reformuliert werden? Z. B. in dem, was Dekonstruktion sich beobachtet und wo ein System sich seine Teile, d. h. die Subjekte erst konstruiert. Wie kann Derrida von seinem Standpunkt aus die Innen/Außen-Grenze eines Systems beschreiben? Wie kann Derrida im Anschluss an Ideologiekritik, an die Kritik von Hierarchien und an die Metaphysikkritik, sich dem Außen eines Systems zuwenden?
Und wenn, im Anschluss an Luhmann, Dirk Baeckers Thesen zur "nächsten Gesellschaft" zustimmen wäre, welche Folgen hat das für Dekonstruktion, die von Sprache als Schrift/Text ausgeht?
4. Selbstreflexivität von Dekonstruktion
Wie kann Derrida seinen eigenen Anspruch gegenüber sich selbst und der Dekonstruktion einlösen?
5. Dekonstruktion und ästhetische Erfahrung
Wie können im Anschluss an die Postmoderne Dekonstruktion und Aisthesis heute zusammengedacht werden? Wenn Derrida in einem Aufsatz über die Stadt Prag das Bild von "der Schwelle der Schwelle" gebraucht, welche Bedeutung hat dann das Erhabene für Dekonstruktion?
Versuch einer Antwort oder einer Weiterführung.
Zu 1.:
Deine Bemerkung zu Vattimo und die Betonung des Unverfügbaren ist richtig. Hier sind wir tatsächlich, bei der Frage: Was ist eine nachmetaphysische Transzendenz und welche Kriterien sind für sie maßgeblich? Ich versuche einmal diese Frage ins Unreine zu beantworten: Es geht um Erfahrung anstelle von Wissen. Auch Tradition sollte nicht als Weitergabe von Wissen, sondern als Weitergabe von Erfahrung gesehen werden [3]. Es geht um den Abschied jeglicher Hierarchie. Gott darf nicht sprachlich in Begriffe der Superlative oder von Machtsystemen gebracht werden. [4] Es geht trotzdem um Religion im Sinn von Gottes-Erfahrung, die ich vielleicht schon nicht mehr Transzendenz nennen würde, da dies Begrenzung voraussetzte. Die negative Theologie kommt erfahrungsgemäß zum Tragen: Kontingenzerfahrung, Leid, ungewisse Zukunft, auch positiv: Kraft in der Schwäche, Solidarität in der Not und in der Armut, Heilung in der Krankheit, Leben in der Erfahrung des Sterbens und in der Trauer und darüber hinaus. Die Feuerbach/Marx-Kritik an der Religion ist mir noch zu metaphysisch, menschheitszentriert, denn es geht ihnen darum, unter Absehung eines Himmels das Himmelreich zu errichten. Die Ansätze von Nietzsche und Freud sind mir lieber, da sie die Religion nicht gesondert kritisieren, sondern in das Bedenken der Metaphysik im Rahmen ihrer Arbeit einschließen und so der Religion wie auch der Gesellschaft den Spiegel vorhalten. Derrida bezieht sich oft auf Nietzsche oder Freud, Vattimo auf Heidegger und Nietzsche. Heidegger übersetzt sogar die Sprache der Religion ins Säkulare (Existenzialismus). Die Frage ist vielleicht, wo sich Vattimo und Derrida unterscheiden. Ist es die Tatsache, dass Vattimo mit der kenosis auf die Neutestamentliche Tradition zurückgeht (Philipper 2), während Derrida mit Levinas eher hebräische Gedanken aufgreift (der Andere, das Antlitz vgl. den aaronitischen Segen: Der Herr hebe sein Angesicht auf dich…)? [5] Hierzu wäre es dann wohl nötig, erneut Levinas zu lesen und zuzuordnen. Das Zeichen [ ] akzeptiere ich als das Symbol einer Leerstelle für einen Namen, ich sehe es nicht als namenlos. Die Namenlosigkeit würde die Klammer selbst erübrigen. Die Klammer deute ich als Übersetzung des Tetragramms (JHVH), des im Hebräischen unausgesprochenen Gottesnamens. [6] Der unausgesprochene Gottesname ist ein Bild für die negative Theologie: Nicht-Erkennbarkeit, Nicht-Verfügbarkeit. Die Kantsche Vernunftreligion knüpft daran an, denn Kant unterscheidet zwischen einem nichterkennbaren und einem erkennbaren Teil der Religion. Da der nichterkennbare Teil der Gottheit für ihn philosophisch nicht besprechbar ist, konzentriert er sich auf den erkennbaren, und das ist für ihn der moralische Zweck der Religion, der den Hang des Menschen zum Bösen zu bearbeiten hilft. [7] Doch Kant spaltet damit, was nicht gut ist. Theologie hieße, beide Teile der Religion präsent zu halten, ohne jedoch positivistisch zu sein. Sozusagen: Hier ist ein Sprung, ein Konflikt in Gott selbst, der dekonstruierbar ist. Die Bibel deutet die Gottesferne als Aufruf zur Buße, somit integriert sie diese in die Verkündigung. Das ist so in der Gegenwart kaum denkbar. Doch darf dieser prophetische Aspekt der Nichterkennbarkeit Gottes nicht ausgeblendet werden! Fügt sich hier nicht geradezu das Politische an? [8] Systemtheoretisch gesagt: Wenn das Politik-System und das System Wirtschaft das ganze Leben dominieren, bringen sie das Religions-System und das Alltags-System zum Schweigen. In diesem Schweigen ist Gott! Dazu könnte ich ein Gedicht Bonhoeffers zitieren: „Christen und Heiden“ (z. B. der Satz: „Christen stehen bei Gott in seinem Leiden…“) [9].
Zu 2.:
Was die Begriffe angeht, so ist Derrida leicht zu kritisieren, da er sehr viele Begriffe verwendet, die er schlicht voraussetzt, während er andere Begriffe in Frage stellt. Warum sind die einen klar, die anderen nicht? Das wird oft nicht klar. Damit ist Derrida ein praktisches Beispiel für das „schwache Denken“. (Vgl. Vattimo.) Das Spiel mit Worten ersetzt die definitorische Abgrenzung: Klarheit stellt sich ein und wird nicht hergestellt. In der Abwehr des Hierarchischen liegt schon eine Ethik begründet. Hinter dieser Ethik steht kein: Du sollst/Du sollst nicht, sondern „Verantwortung“. Die Alltagspraxis verbindet sich hier immer wieder zum Teil mit religiösen Diskursen. Es gibt Argumente, die an Buddhismus, Taoismus oder Mystik erinnern. Die Ethik des „Du sollst“ in der Moderne ist noch Teil der griechisch-römischen Metaphysik. Derrida nennt stattdessen „Gabe“ und „Freundschaft“ [10] als Mitte der Ethik. Zu beiden Aspekten ließen sich gut biblische Beispiele anfügen.
Noch einmal: Dekonstruktion verschiebt Spannungen, anstelle sie aufzulösen. Sie hat etwas Lebendiges im Gegensatz zum statischen Verfahren der Über-/Unterordnung. Die Intention wird nicht verneint, aber relativiert und durch Iteration ergänzt. [11]
Zu 3.:
System-Denken und Dekonstruktion. Wie der Schluss zu „Signatur Ereignis Kontext“ zeigt, ist Derrida sehr offen für das Denken in der Kategorie des Systemischen [12]. Von der Vorlesung Füllsacks ausgehend, meinte ich gehört zu haben, dass durch Luhmann die Vorstellung einer allgemeinen Gesellschaftstheorie in die Wissenschaft gebracht worden ist. Er war zuvor Verwaltungsjurist, bevor er zum Professor in Bielefeld berufen worden ist. In der Gesellschaft geht es nicht ohne Systeme. Bonhoeffer nennt sie Mandate. Ein System ist ein Mandat, ein Rollen-Spiel. Ich habe mich mehr auf die Derrida-Lektüre konzentriert und kenne Luhmann jetzt nur aus der Vorlesung. Manches ist einleuchtend. Verbindungen zur Dekonstruktion waren möglich. Dekonstruktion heißt doch Kritik von Hierarchie und Machtdenken. Setzt die Systemtheorie dabei noch zu viel als gegeben voraus, ist also unkritisch und somit noch metaphysisch? Wie ist ihr System geordnet? Argumentiert sie nicht eher phänomenologisch, in dem sie z.B. nicht das Wesen von Religion definiert, sondern lediglich deren Funktionen beschreibt? [13] Ich denke, dass man an der Systemtheorie sehen kann, wie sich das phänomenologische Denken in der Moderne durchgesetzt hat. Es ist auch schon ein Stück entmachtend, weil es den jeweiligen Systemen die Allgemeingültigkeit abspricht. Jede Wissenschaft ist nur Fachmann in ihrem System. Die Frage zu Dirk Baecker lässt sich als Lektüreaufgabe verstehen. Ich könnte mir vorstellen, dass ein Vergleich mit Derrida im Artikel möglich ist: „Die nächste Universität“ [14], da sich Derrida auch der Weiterentwicklung der Universität verschrieben hat [15].
Zu 4.:
Die Anfrage von Hajo Greif und Kai-Uwe Bux [16] erkenne ich hier wieder. Damit bringst Du Vattimo ins Spiel. Die Arbeit Derridas lässt sich von ihm her als „schwaches Denken“ bezeichnen. Die traditionellen Instrumente argumentativer Stärke kommen hier weniger zum Tragen (vgl. im Gegensatz dazu Wittgenstein, der streng logisch argumentiert). Aber es gibt andere rhetorische Figuren, die zum Zuge kommen: Metapher, Evidenz, Ellipse, usw. Es würde sich lohnen, einmal einen kleinen Abschnitt von „Signatur Ereignis Kontext“ oder „Limited Inc. abc…“ hinsichtlich solcher Rhetorik zu dekonstruieren. Hier siehst Du auch, dass Derrida den Text gar nicht schwächt, sondern eher stärkt [17] . Argument, Kritik, Logik funktionieren nur auf einem Schachbrett der Machtstrategie. Derrida zeigt auf, dass Argumentation auch ganz anders funktionieren kann, eher machtlos und doch interessant und klar. Es ist schon klar, dass Hoff Recht hat, wenn er der damit Derrida in die Nähe der Literatur rückt (wie auch Schlegel, Nietzsche und Heidegger [18] .
Zu 5.:
Zur Frage nach der Ästhetik muss ich schlicht passen. Ich würde einfach mal einen geeigneten Text suchen. Was ist mit der Kunst, der Architektur, dem Film, den Medien? Hier war Derrida in den 1990iger Jahren sehr präsent, wie ich las. Sein Werk ist voller Bezüge zur Literatur. Was ist das „Erhabene“?
[1] Jacques Derrida, Gianni Vattimo: Die Religion, edition suhrkamp, Frankfurt/M., 2001
[2] Jacques Derrida: Grammatologie, Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, Frankfurt/M. 1974, S. 41,
Bedeutungsübersicht1.(Militär) (Truppen) in einem bestimmten geografischen Raum verteilen, stationieren, 2. (schweizerisch) den Ort wechseln, umziehen (Quelle: ttp://www.duden.de/rechtschreibung/dislozieren) Andere bzw. weiter gehende Auskunft: 1. (Truppen und militärische Einrichtungen) verteilen 2. neuere Verwendung: (Gerichte und Behörden) auf verschiedene Städte und Standorte verteilen 3. schweizerisch für umziehen 4. mediz. für verschieben (Knochen/Bruch) Synonyme:[1, 2] verteilen 3. umziehen 4. Verschieben“ (Quelle: http://www.openthesaurus.de/synonyme/dislozieren)
[3] Ich höre im Moment Bonhoeffer, und ich finde, dass ich das bei ihm noch am ehesten aufweisen könnte, was gemeint ist. Dagegen ist D. Sölle einfach modern. Sie ist dialektisch statt dekonstruktiv. Aber Bonhoeffer: Es gibt nur eine Wirklichkeit. Die Erfahrung Gottes ist eine Erfahrung der Dissonanz, der Unterscheidung. (oder ist das nur ein plattes Negativ-Prinzip). So wie er von Christus redet, dessen Menschlichkeit die Christen zu wahrer Menschlichkeit führen soll und von Gott, der in der Welt leidet, so ist die Transzendenz aufgehoben in die Immanenz. Die Macht - und Herrschaftssprache dagegen passt dazu nicht, auch der Begriff Gehorsam nicht. Aber es ist eine Dekonstruktion im Ansatz. Es ist ja durchaus auch eine Spur der Tradition, die in der Erfahrung aufweisbar ist, aber eben als Spur, nicht objektiv. Das hat etwas vom Subjektivismus, der an dieser Stelle aber unvermeidbar ist. Die Alternative wäre ein reine Kollektivismus, so dass die Kirche das Kollektiv der Glaubenden wäre und damit Gott im Bekenntnis präsent, was auf Ideologie hinausliefe.
[4] Vgl. dazu: Gerbern S. Oegema: Der Gesalbte und sein Volk, Untersuchungen zum Konzeptualisierungsprozeß der messianischen Erwartungen von den Makkabäern bis Bar Koziba, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1994, Hier sind aus judaistischer Sicht Zeugnisse des Neuen Testaments mit biblischen und außerbiblischen Zeugnissen verknüpft. Eine sehr interessante Arbeit, die im einzelnen zeigen kann, an welchen Herrschaftsmodellen der damaligen Zeit sich der jeweilige Messiasbegriff orientiert.
[5] Vgl. Die Verbindung zu Levinas finde ich in den Anmerkungen Derridas. Siehe auch Joachim Valentin in Herder Korrespondenz 3/32004: „‘Judentum‘ wird bei Derrida zu einem der Synonyme für jenen Raum, den zu umkreisen und neu zu benennen die Dekonstruktion immer schon aufgebrochen ist. Es ist dabei zunächst von einem idealtypischen Gebrauch der Zuweisung des Terminus ‚Judentum‘ als Marginalisiertes, sich Hingebendes, der Schrift Verfallenes, immer ambivalentes Phänomen. In diesem Sinne kommt dem Judentum eine Orientierungsfunktion für eine Welt zu, ist sein Auserwähltsein doch von universeller Bedeutung. Derrida scheut sich jedoch in jüngerer Zeit auch nicht, politische Konsequenzen dieser Denkbewegung zu nennen: Sobald nämlich jüdische Institutionen, religiöse oder staatliche, den in diesem Sinne gefassten Auserwähltheitsgedanken als Instrument der Selbstermächtigung gebrauchen, haben sie mit seiner scharfen Kritik zu rechnen. (Das Wort vom Empfang. In: J. Derrida: Adieu. Nachruf auf Emmanuel Levinas. München 1998, 31-170)
[6] Erst mit der Übernahme des Begriffes Adonaj-Herr für den unausgesprochenen Gottesnamen kommt die Metaphysik ins Spiel. Siehe das erste Gebot. Es ist etwas anderes gemeint, wenn ich sage: Ich bin der Herr, als wenn ich sage: Ich bin XY. Das eine ist ein Machtanspruch, das andere eine Selbstvorstellung. Vgl. Dazu: Bibel in gerechter Sprache (…)
[7] Wenn Du willst, kann ich auch dazu eine Fußnote anfügen, aber erst, wenn in meinem Arbeitszimmer die Bücher wieder zugänglich sind.
[8] Lies bei M. Wetzel, was Derrida über seine Ethik der Gabe sagt. Das ist Bergpredigt in Reinkultur!
[9] Menschen gehen zu Gott in ihrer Not,/ flehen um Hilfe, bitten um Glück und Brot/ um Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod./ So tun sie alle, alle, Christen und Heiden.// Menschen gehen zu Gott in seiner Not,/ finden ihn arm, geschmäht, ohne Obdach und Brot,/ sehn in verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod./ Christen stehen bei Gott in Seinem Leiden.// Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not,/ sättigt den Leib und die Seele mit Seinem Brot,/ stirbt für Christen und Heiden den Kreuzestod;/ und vergibt ihnen beiden. DB in Widerstand und Ergebung, DBW8, Taschenbuchausgabe, Gütersloher Verlagshaus Gütersloh 2011, S. 515f
[10] Siehe bei M. Wetzel die entsprechenden Abschnitte.
[11] Ein Hinweis zu Iteration ist der gute Text der Wikipedia-Erklärung: „Jacques Derrida führte den Begriff in die Sprache der Philosophie ein.[ Jacques Derrida: Signatur, Ereignis, Kontext. In: Peter Engelmann (Hrsg.): Randgänge der Philosophie. Passagen, Wien 1988.] „Iteration“ bezeichnet hier die Wiederholung eines Begriffs im philosophischen und gesellschaftlichen Diskurs. Laut Derrida verändert sich mit jeder Wiederholung („Iteration“) eines Begriffs seine Bedeutung, so dass niemals dieselbe Bedeutung reproduziert wird wie beim vorausgehenden Gebrauch des Begriffs. Jede Iteration hat vielmehr eine Variation der Bedeutung zur Folge, die dem ursprünglichen Begriff etwas hinzufügt und ihn bereichert. Eine ursprüngliche Definition von Begriffen, auf die man ihre Bedeutung zurückführen könnte, kann es demnach nicht geben.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Iteration)
[12] Eine Gegenüberstellung metaphysischer Begriffe (zum Beispiel Rede/Schrift, Anwesenheit/Abwesenheit usw.) ist niemals das Gegenüber zweier Termini, sondern eine Hierarchie und die Ordnung einer Subordination. (Wie von mir im Artikel schon in eignen Worten an anderer Stelle ausgeführt. C.F.)) Die Dekonstruktion kann sich nicht auf eine Neutralisierung beschränken oder unmittelbar dazu übergehen: Sie muss eine doppelte Geste, eine doppelte Wissenschaft, eine doppelte Schrift eine Umkehrung der klassischen Gegensätze und eine allgemeine Verschiebung des Systems in die Praxis umsetzen. Nur unter dieser Bedingung wird sich die Dekonstruktion die Mittel verschaffen, um auf dem Feld der Gegensätze, das sie kritisiert und das auch ein Feld nicht-diskursiver Kräfte ist, zu intervenieren. Jeder Begriff gehört andererseits einer systematischen Kette an und konstituiert selbst ein System von Prädikaten. Es gibt keinen metaphysischen Begriff an sich. Es gibt eine - metaphysische oder nichtmetaphysische - Arbeit an Begriffssystemen. Die Dekonstruktion besteht nicht darin von einem Begriff zum anderen überzugehen, sondern eine begriffliche Ordnung, an die sie geknüpft ist, umzukehren und zu verschieben.“ (J.Derrida. Signatur Ereignis Kontext in: Ds.: Limited Inc. Passagenverlag, Wien 2001, S. 44f)
[13] Derrida kritisiert Husserl ja auch als noch zu metaphysisch. Die Stelle weiß ich jetzt nicht.
[14] Dirk Baecker: Studien zur nächsten Gesellschaft. Suhrkamp Frankfurt/M. 2007, S. 116-146.
[15] Jacques Derrida: Die unbedingte Universität. Suhrkamp Frankfurt/M. 2001
[16] Hajo Greif, Kai Uwe Bux: Ja, Der Da hat es gesagt, Über den dekonstruktiven Umgang mit Texten, Bielefeld 2001: Quelle: http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=ja%2C%20der%20da%20hat%20es%20gesagt%2C%20%C3%BCber%20den%20dekonstruktiven%20umgang%20mit%20texten&source=web&cd=2&ved=0CCQQFjAB&url=http%3A%2F%2Fwww.math.uni-bielefeld.de%2F~bux%2Fother%2Fbugr99.pdf&ei=X7PGTsXoM4mhOrS1kdcP&usg=AFQjCNE4LswXpIXISTefyzS31s5nX-V6fg&cad=rja
[17] Als Beispiel auch: J.D. Gesetzeskraft. Der "mystische Grund der Autorität". Suhrkamp, Frankfurt/M. 1991, Sonderausgabe 1996.
[18] Das Poetische der Philosophie - Friedrich Schlegel, Friedrich Nietzsche, Martin Heidegger, Jacques Derrida, Ansgar Maria Hoff (Quelle zum Download der Dissertation: http://hss.ulb.uni-bonn.de/2000/0219/0219-dt.htm)
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