Diskussion zur Buchrezension „Ein Clown für Christus“ von Christoph Fleischer

Werner Giese:   Zur Buchrezension  „Ein Clown für Christus“  von Christoph Fleischer.

Christoph Fleischer schreibt in seiner Rezension des o.g. Buches am Schluss:

„Der Autor möge noch mehr solcher Bücher schreiben.“

Dieser Meinung bin ich nun ganz und gar nicht. Ich habe das Buch  letztes Jahr  gelesen und mir dann dazu die folgenden Gedanken gemacht.

Was will der Autor wohl mit diesem Buch?

Will er den Leser auf den Arm nehmen, an der Nase herumführen? Will er testen, wie weit die Wissenschaftsgläubigkeit (der Amerikaner und der Deutschen) geht, dass sie sich solchen Unsinn gefallen lassen? Oder meint er es ernst – dann ist zu  bedauern, dass sich jemand im Klappentext zu der Aussage hinreißen lässt, dass es hier um eine (ganz andere) Beantwortung von Fragen der Paulusforschung handelt. Wenn Trobischs Fantasie-Roman „Forschung“ sein soll, dann „gute Nacht“ für die neutestamentliche Wissenschaft!

Es ist mir unbegreiflich, wie ein Professor für neutestamentliche Theologie ein solches Buch schreiben  und ein renommierter Verlag wie das Gütersloher Verlagshaus, das seit jeher bedeutende kirchliche Literatur veröffentlicht,  es herausgeben kann.

Das Buch ist eine einzige Verhöhnung und In-den-Schmutz-Ziehen der wichtigsten Persönlichkeiten des frühesten Christentums, vor allem des Paulus und stellt sämtliche urchristliche Überlieferung auf den Kopf. Paulus ist bei Trobisch (der über die Paulusbriefe promoviert hat!) ein geldgieriger, in sich selbst verliebter, betrügerischer und bisexueller Teppichhändler aus Damaskus, dem es nur darum geht, überall im Mittelmeerraum Filialen seines Geschäftes zu errichten. Dies tritt an die Stelle der großen Missionsreisen, von denen überhaupt nicht die Rede ist. Ebenso wenig kommt die für die urchristliche Mission unter Nichtjuden maßgebliche und höchst bedeutsame Gemeinde von Antiochien in Syrien im Buch vor.

In Philippi hat Paulus – nach Trobisch – eine Frau namens Hellene sitzen, die er ab und zu besucht und mit der er ein Töchterchen hatte, das bei einem Unwetter im Nabatäerreich ums Leben gekommen ist. 

Obwohl verheiratet, kann er sich aber durchaus vorstellen, mit dem homosexuellen Silvanus (einem blonden Germanen!)  etwas anzufangen.

Sein Mitarbeiter Titus ist angeblich sein Sklave, der vom christlichen Glauben wenig hält und z.B.  ohne jede Vorbereitung und Unterweisung getauft wird – bis zuletzt noch im Glauben, es stehe seine Beschneidung bevor.

Über Chloe, deren „Leute“ nur einmal kurz im 1. Korintherbrief ( Kap. 1, 11) als Nachrichtenübermittler erwähnt werden,  erfindet er eine Geschichte, bei der natürlich das Interessanteste ist, dass sie, obwohl verheiratet, lesbisch veranlagt ist und dass sie die  Frau des in  Kap. 5,1 ff. scharf angegriffenen Mannes ist.

Im ganzen Buch werden immer wieder sexuelle Akte ausführlich geschildert , was für den Fortgang der Erzählung höchstens in einem Fall wesentlich ist. Durchgängig mit spürbarem Interesse und mehr Begeisterung als für urchristliche Gottesdienste  werden heidnische Fruchtbarkeitsrituale und die Verehrung der großen Muttergottheiten des Orients  beschrieben, an denen selbstverständlich auch getaufte Frauen teilnehmen. Mit Bemerkungen über Nacktheit und lüsterne Blicke will er offenbar sein Buch dem Zeitgeschmack anpassen.

Man könnte noch mehr solcher  ins Reich der ausufernden Phantasie gehörende Erzählstränge aufzählen, die beim Leser nur Kopfschütteln hervorrufen.

Als Clou wird zum Schluss noch berichtet, dass die ganze Paulus-Darstellung der Apostelgeschichte das Phantasieprodukt eines Verlegers in Rom namens Lucius ist, der unter falschem Namen   und falscher  Berufsbezeichnung  (Lukas, der Arzt) mit diesem Roman einen Bestseller erzielen will.

Nur ein den christlichen Glauben zutiefst ablehnender Kirchenkritiker und Kirchenfeind kann m.E..  eine solche Erzählung, eine solche Persiflage der Anfänge, verfassen, um damit dem Christentum die geistliche Grundlage zu entziehen.

Wer verbirgt sich unter  diesem „Professor David Trobisch?

Was für eine Generation von späteren Pfarrern wird wohl in USA ausgebildet und herangezogen?

 

 

Werner Giese, Pfr. i.R., Am Wasserturm 11,  90562 Heroldsberg.

 

 

 

Lieber Christoph,

> jetzt- in Ruhe am "lake-side-inn" Deine Rezension im dt. Pfarrerblatt

> gelesen.

> Freue mich sehr, dass Du auf diese Geschichte abfährst und eine ebenso

> pointierte Rezension schreibst.

> Hab Lust auf die diesen Clown, oder sogar, selber einer zu werden.

> Irgendwie schwebt mir noch so etwas wie weltanschauliches Kabarett vor.

>

> Danke für erfrischende Rezension

>

> Herzliche Grüße

>

> Gerd

 

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