Jahresgedenken – zwei Gedichte von Heidrun Auro Brenjo

Jahresgedenken


An deinem Todestag
Gedenken wir deiner
Mit tiefroten Rosenblättern
Ist jedes Blatt wie dein Kind
Zusammen sind wir Rosen
Jedoch trauert jedes für sich

© Heidrun-Auro Brenjo
www.festtagsgedichte.de

Lieber Gott


Seit einem Jahr ist
Unsere Mama nun schon bei dir
Gern würden wir wissen
Wie es ihr geht
Dass sie uns unendlich fehlt
Weißt du bestimmt
Und dass sie ein herzensguter Mensch ist
Hast du sicherlich schon gemerkt

Als sie so (plötzlich) von uns ging
Konnte sie dir leider kein Geschenk mitbringen
Stell dir vor
Sie hat sogar ihre Brille hier vergessen
Und darum bitten wir dich
Dass du ihr manchmal
Aus der Himmelszeitung vorliest
Und sag ihr auch
Dass immer eine Kerze für sie brennt
Damit sie uns auch nachts besuchen kann

Lieber Gott
Diese Zeilen sind ein kleines Dankeschön für dich
Weil du auf unsere Mama aufpasst

Es grüßen dich alle Kinder unserer Mama

© Heidrun-Auro Brenjo
www.festtagsgedichte.de

Bemerkung: Das Wörtchen "plötzlich" passt vielleicht nicht auf jede Todesart. Doch so, wie der Tod hier geschildert wird, ist er wahrscheilich nie anders als plötzlich, so nämlich, dass man nichts mitnehmen kann und so, so als sei man darauf nicht vorbreitet. Die einzige Vorbereitung auf den Tod bestünde also darin, sich eben genau darauf vorzubereiten, nichts mitnehmen zu können.

Der Redakteur (Christoph Fleischer)

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