Glaubensbekenntnisse Wilhelm Willms, Dorothee Sölle, Jörg Zink und andere (muss noch ergänzt werden). Christoph Fleischer Werl 2010

 

Wilhelm Willms. Der geerdete Himmel. Kevelaer 1974, 7. Auflage 1986

13.12 glaubensbekenntnis 1

wenn man uns fragt
warum glaubt ihr an gott
warum nennt ihr ihn vater

was werden wir sagen

wir werden sagen
wir glauben an gott
weil wir es nicht ertragen zu sagen:
es gibt keinen gott
weil unsere welt zerfällt
in lauter sinnlosigkeit
atomisiert in einzelteile
und darum sagen wir auch: vater
weil wir es nicht ertragen zu denken
wir seine mit allem was ist
uns selbst überlassen
und auch: weil wir brüder und
schwestern sein wollen
weil wir nur so leben können
ohne uns zu zerfleischen
wie unsere vorfahren
die tiere

wir gehen von der realität aus
wenn wir sagen
wir glaube an gott den vater

vom ufer der realität
betreten wir diese luftbrücke
der hoffnung
und glauben
weil uns dies
wie windig auch immer
die einzige möglichkeit scheint
sinnvoll zu leben

ja freilich: luft brücke der hoffnung
bescheiden geworden
trauen wir keinen beschwörungen mehr
wir gestehen es offen
große verlegenheitsworte
„gott“ „vater“ „anfang“ „schöpfer“
ruhe nach langer odyssee
zähmung des denkens das wahnsinnt

worte in denen hohngelächter
in hilfeschrei umschlägt
worte wie archen
darin wir auswarten
die landung

nicht wir öffnen sie
sie werden geöffnet

aber wann

 

13.13: glaubensbekenntnis 2

ich glaube nicht
an einen vermenschlichten
übermenschen
ich glaube an einen
menschlichen menschen
ich glaube
daß der mensch mehr und mehr
und mehr mensch wird
ich glaube
daß der jetzige mensch
weil er in unseren städten lebt
auf den dörfern
in hochhäusern bungalows
und baracken
ein vorläufer ist
ein wegweiser ist
wie der neandertaler
der vorläufer von uns ist
es ist noch zeit bis zur menschwerdung
wir sind unterwegs
ich glaube nicht
dass der mensch alles machen kann
ich glaube
daß er nicht alles machen soll
was er machen kann
ich glaube dass der mensch
noch viel mehr machen wollte
daß er noch mehr machen könnte
wenn der mensch
dem menschen bruder würde
und schwester
ich glaube an den himmel
ich glaube daß der mensch
dem menschen zum himmel werden wird
ich glaube daß der mensch
schudlig werden kann
dem menschen zur hölle werden kann
auf dieser erde

ich glaube an jesus
und ich glaube auch an mich und dich
ich glaube daß jeder mensch
diesen jesus als embryo in sich trägt
ich glaube daß der mensch
keine fehlkonstruktion ist
ich glaube daß ihm oft das klima fehlt
in dem er werden kann
was er werden sollte
ich glaube daß gott in jedem menschen ist
ich glaube daß mit dem menschen
auch gott übersehen wird
ich glaube daß jeder mensch
ein besonderer aspekt gottes ist
ich glaube daß gott in uns sterben kann
daß er in manchen schon gestorben ist
ich glaube daß gott in unsrem leben
in freue in schmerz
in einsamkeit und gmeiensamkeit
ausgetragen werden muß
ich glaube daß gott in uns
das licht der welt erblicken wird

ich glaube daß es eine große ansteckung geben wird aller menschen guten willens
ich glaube daß die menschen
sich einmal versehen werden
und ich glaube nicht
daß die wahrheit hinter den gitterstäben
von dogmen und gesetzen
wie in einem gefängnis geschützt
werden muß
und damit auch verengt verfälscht
und kleingehalten
ich glaube
daß die wahrheit sich selber schützt
und sich selber reinhält

ich glaube
daß jesus einmal kommen wird
einmal
und noch einmal
und noch einmal
ich glaube
daß jesus einmal in scharen auftreten wird
ich glaube
daß jesus sich
über die ganze erde verbreiten wird
ich glaube
an den augenblick
an die ewigkeit im augenblick
ich glaube
daß die uhren einmal lächerlich
und anachronistisch dstehen werden
wenn die zeit zerfällt
ich glaube
daß wir einmal
raum- und zeitlos leben werden
daß es keine vergangenheit
keine zukunft mehr geben wird
nur noch augenblick
gegenwart
ich glaube
daß der tod
die große überraschung sein wird
die große vewandlung
nicht die große zerstörung

ich glaube an gott
ich glaube an jesus
ich glaube an mich
ich glaube an die menschen
ich glaube an die erde
icxh glaube daß alls sinn hat
ich glaube daß alles gut wird
ich glaube gern an das unglaubliche
ich glaube nicht alles was man mir sagt
das glaubliche
auf der handliegende
ist gefährlich
aber ich bin ein glaubender
ich habe gemerkt
daß wissen nicht hinreicht
ich bin ein hoffender
und manchmal ein liebender

Dorothee Sölle: Ich will nicht auf tausend Messern gehen. Dtv 1986, S. 24:

Credo

Ich glaube an gott
der die welt nicht fertig geschaffen hat
wie ein ding das immer so bleiben muß
der nicht nach ewigen gesetzen regiert
die unabänderlich gelten
nicht nach natürlichen ordnungen
von armen und reichen
sachverständigen und uninformierten
herrschenden und ausgelieferten
ich glaube an gott
der den widerspruch des lebendigen will
und die veränderung aller zustände
durch unsere arbeit
durch unsere politik

Ich glaube an jesus christus
der recht hatte als er
„ein einzelner der nichts machen kann“
genau wie wir
an der veränderung aller zustände arbeitete
und darüber zugrunde ging
an ihm messend erkenne ich
wie unsere intelligenz verkrüppelt
unsere fantasie erstickt
unsere anstrengung vertan ist
weil wir nicht leben wie er lebte
jeden tag habe ich angst
daß er umsonst gestorben ist
weil er in unseren kirchen verscharrt ist
weil wir seine revolution verraten haben
in gehorsam und angst
vor den behörden
ich glaube an jesus christus
der aufersteht in unser leben
daß wir frei werden
vor vorureilen und anmaßung
von angst und haß
und seine revolution weitertreiben
auf sein reich hin

Ich glaube an den geist
der mit jesus in die welt gekommen ist
an die gemeinschaft aller völker
und unsere verantwortung für das
was aus unserer erde wird
ein tal voll jammer hunger und gewalt
oder die stadt gottes
ich glaube an den gerechten frieden
der herstellbar ist
an die möglichkeiten eines sinnvollen lebens
für alle menschen
an die zukunft dieser welt gottes

Amen

Glaubensbekenntnis von Dorothee Sölle, 1985 (Dorothee Sölle, Luise Schottroff: Die Erde gehört Gott. Rowohlt Hamburg 1985, S. 137f)

Ich glaube an Jesus Christus
Sohn des Lebens Bruder der Menschen
Erstgeborener aller Schöpfung
der uns an unsere Geschwister erinnert
die Bäume und die Vögel des Himmels
Schwester Wasser und Bruder Feuer.
Er verbindet uns mit allem was lebt
auf unserem kleinen Planeten Erde.

Ich glaube an Jesus den Sohn des Lebens
das uns geschenkt wird damit wir es weiterverschenken
Er hat die Kranken geheilt und die Traurigen
er hat die Hungrigen gespeist und die Verzweifelten
ein Mitarbeiter der Schöpfung
die weitergeht an jedem Tag
in unserer Arbeit
wenn wir unsere Heimat vor der Plünderung schützen
unsern kleinen Planeten Erde

Ich glaube an Jesus
Sohn des Lebens und einer armen Mutter
politischer Gefangener unter Pontius Pilatus
zu Tode gefoltert auch heute
in den Polizeikellern Lagern und Kriegen
die wir noch immer dulden
auf unserm kleinen Planeten Erde

Ich glaube an Jesus
den Erstgeborenen aus dem Tode
Sie konnten ihn nicht fertigmachen
er ist von den Toten auferstanden
er verbindet uns mit den Toten vor uns
um die wir trauern
und den Toten neben uns
die wir nicht gerettet haben
Sie sind alle unsere Schwestern und Brüder
auf dem kleinen Planeten Erde

Ich glaube an Jesus Christus
Kind des Lebens
eine Schwester für alle Menschen
die Wahrheit die uns frei machen wird
von dem Zwang auszubeuten und aus dem Tode Profit zu schlagen
In Christus spüren wir den Geist des Lebens
in einer todessüchtigen Welt
Wir stehen auf mit ihm zu kämpfen
zu leiden und unser Leben zu geben
bis Gott sei alles in allem
auf unserm kleinen Planeten Erde.

Jörg Zink: Wer glaubt kann vertrauen. Gütersloher Verlagshaus 2006, S. 77:

Wir glauben an dich, Gott.
aus deiner Hand kommen alle Dinge.
aus dir kann nichts fallen.
Aus deinem Plan kommen Glück und Leid.
Für uns und alle deine Geschöpfe.
In dich kehren wir zurück.

Wir glauben an Jesus, den Christus, unseren Bruder.
Er zeigt uns den Weg. Er steht uns bei.
Er zeigt uns dich als unseren Vater.
Er leidet unser Leid mit, und
er stirbt mit uns unseren Tod.
Er führt uns aus dem Tod ist Leben.

Wir glauben an den Heiligen Geist,
der uns erfüllt, wenn du ihn sendest,
der uns eint und zu deinem Volk macht.
Er tut uns das Herz auf für dein Wort.
Er ist das Licht, das unseren Geist erleuchtet,
und die Kraft auf unserem Weg

 

Feier des Lebens

Mitten in Hunger und Krieg
feiern wir, was verheißen ist: Fülle und Frieden.
Mitten in Drangsal und Tyrannei
feiern wir, was verheißen ist: Hilfe und Freiheit.
Mitten in Zweifel und Verzweiflung
feiern wir, was verheißen ist: Glauben und Hoffnung.
Mitten in Furcht und Verrat
feiern wir, was verheißen ist: Freude und Treue.
Mitten in Hass und Tod
feiern wir was verheißen ist: Liebe und Leben.
Mitten in Sünde und Hinfälligkeit
feiern wir, was verheißen ist: Rettung und Neubeginn.
Mitten im Tod, der uns von allen Seiten umgibt,
feiern wir, was verheißen ist
durch den lebendigen Christus.
Kyrie eleisn (Herr erbarme dich).

Ich bin getauft - aus dem Evangelischen Gesangbuch Ausgbe für die evangelisch-lutherischen Kirchen Bayern und Thüringen, Text ohne autor auf S. 1586:

Ich bin getauft.
Ich bin unterwegs mit allen, die zum Volk Gottes gehören.
Ich glaube, dass Gott mich zu einem guten Ziel führt.
Ich lebe in der Freiheit, die er mir schenkt.
Ich bekenne mich zur Gemeinschaft aller Getauften.
Deshalb will ich suchen, was Frieden schafft,
tun, was der Gerechtigkeit dient,
wählen, was Leben fördert.
Ich weiß, wie schwer es mir fällt, dieses durchzuhalten.
Darum bin ich froh, dass Gott mir vergibt.
Er gebe mir zum Wollen auch das Vollbringen.

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