Workshop Interviewtraining Handout Sebastian Schwarz Dortmund 2009

Vor dem Interview

 

*    bereite Dich gut vor

*    mache Dir klar, was Du hören willst und stelle entsprechend die Fragen

o    denke daran, ein Interview ist wie ein Diktat (Du stellst hier die Fragen)

*    sei rechtzeitig da (ca. 10-15 Minuten eher)

*    bevor das Interview losgeht und Du Technik (Aufnahmegeräte,…) verwendest, versichere Dich (am besten vorher), das diese funktionieren, schalte es schon recht früh ein und lasse es die ganze Zeit mitlaufen (geschnitten wird später!!!)

o    versichere Dich dabei, dass Du keine „Störquellen“ in Deiner Nähe hast, wie tickende Uhren,…

*    begrüße Deinen Interviewpartner freundlich und direkt

o    schüttele ihm dabei die Hand

o    schaue ihm dabei in die Augen

o    lächele etwas

o    sei Dir sicher, dass Dein Handy und weitere Störquellen ausgeschaltet sind

*    stelle Dich und Dein Projekt ordentlich, „sauber“ und direkt vor (Deinen Namen, Deine Organisation, Anlass Deiner Befragung)

*    merke Dir auf jeden Fall seinen Namen, wenn er sich bei Dir vorstellt

*    sollte ein Interviewer zu Dir kommen, sorge in jedem Falle für eine „angenehme“ Situation und Atmosphäre

o    dem Interviewten soll es angenehm und gut gehen

o    der Interviewte soll Vertrauen aufbauen, sich wohl fühlen und sich an die Situation gewöhnen können

 

 

Während des Interviews

 

*    bevor die Fragen losgehen, mache Dir eins immer klar:

o    stelle immer offene Fragen (also Fragen, die nicht einfach mit „ja/nein“ beantwortet werden können)

o    vermeide Kettenfragen (stelle nicht gleich 5 Fragen auf einmal, sonst sucht sich Dein Interviewpartner die leichteste und angenehmste heraus)

o    sei bei den Fragen immer ruhig und professionell (auch wenn Du vor Dir eine „berühmte“ Persönlichkeit sitzen hast, vergiss nicht, das er in diesem Augenblick einfach nur ein Mensch ist, der zu antworten hat)

o    vermeide so gut es geht „ähs“ und „öhs“, sowie Floskeln, Geschwafel und Stottereien – Du vollziehst hier ein Handwerk aus den „FF“, das muss Dein Gegenüber merken

o    das Gespräch selber brauchst Du nicht mitzuschreiben, dafür nimmst Du es ja auf, aber mache Dir Notizen, wie sich Dein Gegenüber bei bestimmten Fragen verhält 

§  ob er Schweiß auf der Stirn hat

§  ob er auf seinem Stuhl hin und her rutscht

§  ob er sein Gesicht verzieht (es ist ihm „angehnehm“ / „unangenehm“)

§  ob er Zeit zum antworten braucht oder nicht

à vergiss nicht, dass man bei einem Podcast so etwas nicht SIEHT, darum muss es später „hörbar“ gemacht werden

*    stelle zuerst „unproblematische“ Fragen, evtl. sanfte Einstiege, um den Start des Interviews „harmonisch“ zu beginnen

o    bedanke Dich vielleicht zuerst um die Zeit, die Dein Interviewpartner für Dich und Deine Zwecke zur Verfügung stellt

o   gehe evtl. darauf ein, welchen guten Dienst er für Dich und Deine Recherche bringt

*   beginne also mit einer Einleitungsfrage, um den persönlichen Redefluss zu beginnen

o   schaue Dir dabei die Person gut an und merke Dir seine Haltung, Gestik, Kleidung, usw.

§  versichere Dich also, um welche Art Typ es bei Deinem Gegenüber geht

§  analysiere seine psychologische Struktur und stelle Dich im weiteren Verlauf auf seine Person ein

*   in weiteren Verlauf kannst zu von eher angenehmeren Fragen zu emotionaleren oder auch kritischen Fragen kommen

 

*   2 Möglichkeiten:

o   Colombo-Effekt:

§  initiiere bei Deinem Interviewpartner die ganze Zeit Sicherheit

§  verweise irgendwann auf das Ende (Bsp.: „So, bevor wir gleich zum Ende kommen…“ oder „Ich habe genau noch 2 Fragen…“)

§  komme dann noch mit sehr „unangenehmen“ oder kritischen Fragen – stelle dabei die wichtigste Frage und bleibe hartnäckig

o   Wellen-(Intervall-)Effekt:

§  unterteile Dein Interview in mehrere Bereiche

§  stelle zuerst immer „angenehme“ und vorbereitende Fragen

§  komme am jeweiligen Ende eines Interwalls (einer Welle) zu einer „unangenehmen“ und kritischen Frage

§  Bsp.: Erst soll jemand mit seiner Meinung zu etwas Stellung nehmen (evtl. sagt jemand, man solle sich mehr für soziale Gerechtigkeit einsetzen), und komme dann zu einer aktuellen Begebenheit, die evtl. in gegensätzliche Richtung weist: („Gerade sagten Sie, man solle mehr für die soziale Gerechtigkeit tun, wieso haben sie dann veranlasst, dass Kürzungen am Sozialetat vollzogen wurden?“) – drehe ihm also etwas das „Wort im Munde“ herum

 

*   im weiteren Verlauf des Interviews, analysiere stets die Person Dir gegenüber, gehe dabei immer auf die unterschiedlichen Persönlichkeiten ein

*   wenn man merkt, dass das, was der Interviewte nicht zu gebrauchen ist, dann sage es offen heraus

o   merke Dir immer: sage, was stört

o   Bsp.:

§  fassen Sie sich bitte kürzer

§  benutzen Sie bitte nicht so viele Fremdwörter

§  ich verstehe Sie nicht, was bedeutet das

§  bitte drücken Sie sich anders aus

 

*   bedenke dabei bitte immer auch die Situation, in der sich der Befragte befindet

o   auch für ihn ist diese Situation ggf. nicht leicht

o   bedenke hier immer die unterschiedlichen Persönlichkeiten und gehe entsprechend auf sie ein

§  Bsp.: „Das haben sie jetzt sehr schön erzählt. Es wäre sehr nett von Ihnen, wenn sie es noch einmal kurz zusammenfassen könnten.“

*   versichere Dich immer dabei, dass Du seine Antworten verstehst

o   sei also immer aufmerksam und HÖRE WIRKLICH ZU

o   wenn Du etwas nicht verstehst, frage nach, oder bitte ihn, sich anders auszudrücken (nicht vergessen, Du führst das Interview, damit Du es verstehst, und damit Du das Thema anderen erklären und zusammenfassen kannst)

 

*   wenn jemand viel antwortet, so fasse Deine Fragen kürzer (evtl. sehr speziell)

*   wenn jemand wenig antwortet, so stelle Deine Fragen länger und so, dass Dein Gegenüber „viel sagen muss“

o   bringe ihn dabei mit Deinem Scharm in Sicherheit

o   gehe auf sein Gesagtes ein

o   positives Feedback

 

*   und immer wieder merken:

o   mache Dir stets bewusst, dass Du das Interview führst

o   lasse Dich nicht mit einfach Antworten „abspeisen“

o   bleibe hartnäckig und professionell

o   aber vor allem HÖRE ZU UND DENKE MIT

 

 

Nach dem Interview

 

*   nach dem Interview, verabschiede Dich freundlich und aufmerksam vom Gesprächspartner

*   schüttele ihm die Hände und sieh ihm in die Augen

*   bemerke evtl., dass das Interview sehr hilfreich für Deine Arbeit ist und bedanke Dich für die bereitgestellte Zeit

*   frage evtl. nach, ob ein Hören des Podcasts (oder des Interviewausschnitts) gewünscht wird, um es autorisieren zu lassen

*   frage nach evtl. Pressematerialien wie Fotos, Broschüren, Portraitmappen, usw.

*   solltest Du selber Fotos machen wollen, zeige sie dem Interviewpartner, um sie autorisieren zu lassen

*   nehme dabei immer sein „okay“ auf Band auf, um sie für das Internet und die Berichte nutzen zu können

*   mache Dir stets klar, dass Du diverse Menschen immer „zweimal im Leben wieder siehst“, verlasse also das Gespräch und den Ort mit der Sicherheit, ein weiteres Mal erscheinen zu dürfen (rede, lache, schimpfe usw. also bitte erst, sobald Du die Tür des Hauses verlassen hast, und komme nicht in die Situation, dass Dein Interviewpartner dies noch hören kann)

 

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