Swami Sivananda - göttliche Erkenntnis
Über den Autor Swami Sivananda lassen sich viele Informationen im Internet finden. Das Interessante an seiner Botschaft ist nicht die indisch geprägte Schau der Religion, was sich auch in den oft gebrauchten indischen Begriffen niederschlägt, sondern seine multireligiöse Offenheit und dann auch seine multireligiöse Anwendung. Mit der Wiedergabe dieser Zitate ist nicht gesagt, dass ich jedem dieser Sätze zustimme. Dennoch finde ich in diesen Worten einen harmonischen Einklang religiöser Worten und religiöser Botschaften.
Stichwort: Religion.
Das Wesentliche der Religion
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Der Gewinn aus einem religiösen Leben
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Weltreligionen
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Die Einheit, die allen Religionen zugrunde liegt
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Verfall der Religion - Ursache und Abhilfe
Religion ist die Beziehung zwischen den drei Grundprinzipien - Gott, Welt und Individuum. Religion tröstet den müden Pilger auf dieser Erde. Sie erklärt ihm das Geheimnis des Lebens. Sie zeigt den Weg zur unsterblichen Wohnstatt.
Religion ist nicht Lebensverzicht. Sie ist Lebensfülle. Sie ist ewiges Leben. Der Mensch wird durch Disziplin, Selbstbeherrschung und Meditation zu Gott. Das ist Religion.
Religion besteht darin, anderen Menschen Gutes zu tun und in der Praxis von Liebe, Barmherzigkeit, Wahrhaftigkeit und Reinheit in allen Lebenslagen. Religion ist Philosophie in der Praxis - Philosophie Religion in der Theorie. Philosophie ist immerwährendes Suchen, Fragen und Untersuchen. Religion ist Spüren, Verwirklichen und Erfahren.
Dieselbe Jacke paßt nicht jedem. Individuelle Charaktere und Hintergründe in der Tradition sind unterschiedlich. Daher kommt das Bedürfnis nach verschiedenen Religionen. Eine Religion ist so gut wie die andere. Eine Straße oder ein Weg zum Höchsten ist so gut wie eine andere Straße oder ein anderer Weg. Kühe sind verschiedenfarbig, aber die Milch hat immer dieselbe Farbe. Es gibt verschiedene Rosensorten, aber der Duft ist derselbe. Religion ist eins, aber sie kann auf vielfältige Weise praktiziert werden. Vielfalt ist die Ordnung in der Schöpfung. Religion ist davon nicht ausgenommen.
Das Wesentliche der Religion
Religion ist nicht Dogma. Religion ist nicht Glaube. Glaube ist gebrochenes Schilf. Religion ist nicht Theologie. Sie ist nicht nur ein Glaube oder ein Gefühl. Sie ist nicht nur ein kleines Gebet, das ein Mensch sagt, wenn er an einer heftigen Magenkolik oder an chronischer Ruhr leidet. Sie ist in erster Linie ein Leben der Güte und des Dienens. Religion ist Leben in Meditation. Religion ist Leben in Gott. Wer liebevoll, freundlich, fromm und wahrhaft ist und Glauben und Hingabe besitzt, ist wirklich religiös.
Das Wesentliche in der Religion sind nicht Zeichen auf der Stirn, verfilztes Haar und ein langer Bart und auch nicht Stehen in der heißen Sonne oder im kalten Wasser. Nicht das orangefarbene Gewand, nicht der geschorene Schädel, nicht Glockenläuten, Muschelblasen und Zimbelspiel, sondern ein Leben der Güte, der Reinheit und des Dienens inmitten weltlicher Versuchungen.
Religion ist Leben in Gott. Sie ist nicht nur Reden über Gott. Nur intellektuelle Zustimmung allein kann nicht wirklich religiös machen. Wahre Religion ist jenseits von Argumenten. Sie kann nur gelebt werden, sowohl innerlich wie äußerlich. Sie ist Verwirklichen und Werden.
Lasse nicht persönliche Neigung, Stärke oder Konvention oder die Meinung von Fanatikern und Sektierern Deine Sicht zu einem engen religiösen Blickwinkel trüben. Lasse Dich nicht beeinflussen durch die Beobachtung religiöser Praktiken ungeschulter Massen. Du mußt das Wesentliche vom Unwesentlichen in Religion und Philosophie durch die Kraft des reinen Verstandes und der Unterscheidung auseinanderhalten können. Nur dann kannst Du glücklich sein. Das Wesentliche ist in allen Religionen dasselbe. Sie sind alle einer Meinung. Religionen unterscheiden sich nur im Unwesentlichen.
Der Gewinn aus einem religiösen Leben
Ein religiöses Leben ist der größte Segen. Es erhebt den Menschen aus dem Sumpf von Weltlichkeit, Unreinheit und Unglauben. Der Verstand ist wertlos, wenn ihn nicht die Religion erleuchtet. Religion tut das, was Philosophie niemals tun kann. Wenn Du in Einklang mit den Regeln der Religion lebst, wirst Du Weisheit, Unsterblichkeit, immerwährenden Frieden und ewige Wonne erlangen.
Religion befreit von Sorge und Schmerz. Religion bringt immerwährenden Frieden. Religion macht den Menschen vollkommen und frei. Religion macht unabhängig. Religion verbindet die Seele mit Brahman. Religion befreit von Geburt und Tod.
Religion ist die Grundlage der Gesellschaft, die Quelle aller Güte und allen Glücks, die Grundlage von Tugend und Wohlstand im Individuum und durch die Individuen der ganzen Nation. Zivilisation, Ordnung, Moral - all das erhebt den Menschen und gibt der Nation Frieden - sind der Ertrag aus der Praxis von Religion.
Nimm die Religion weg. Dann hat das Leben des Menschen keinen Sinn. Er ist weit, weit entfernt vom Zweck seiner Geburt. Das Leben hier wird zu einer trostlosen Verschwendung. Es gibt kein Leben ohne Religion. Nur Religion macht die Existenz wertvoll und erfüllt den Geist mit Liebe, Hingabe, Gelassenheit und Frohsinn. Keine materielle Kraft kann den religiösen Drang im Menschen aufhalten, obwohl eine zeitlang eine bestimmte Propaganda abzulenken vermag.
Weltreligionen
Hinduismus, Zoroastrismus, Judentum, Buddhismus, Christentum und Islam sind die sechs Weltreligionen. Der Hinduismus hat keinen Begründer. Alle anderen Religionen haben einen Gründer. Sie heißen nach den Gründern. Jainismus ist nur eine Form des Buddhismus. Sikhismus ist hauptsächlich im Hinduismus begründet und teilweise im Islam. Brahmoismus entstand aus dem Hinduismus und aus dem Christentum. Und dasselbe gilt für andere kleinere Religionen.
Immer dann, wenn eine wichtige religiöse Wahrheit durch die Überheblichkeit und Selbstsucht der Priesterklasse unterdrückt oder durch die Unwissenheit der Menschen vergessen worden war, trat ein großer Heiliger, Prophet oder religiöser Lehrer auf. Er hob diese Wahrheit hervor, beseitigte den Unrat, der sie verdeckte und verdunkelte, und ließ sie in ihrem ursprünglichen Glanz, ihrer Reinheit, ihrem Strahlen und ihrer Herrlichkeit erglänzen.
Als die Menschen vor langer Zeit alles über den vedischen Montheismus vergessen hatten, kam Zarathustra. Er predigte die Verehrung des einen Gottes, Ahuramazda, und verurteilte die Verehrung von Devas.
Als die vedische Religion zu einem blinden Einhalten von Riten und Tieropfern degenerierte und die Brahmanen die Shudras verächtlich behandelten, kam der mitleidsvolle Buddha, der dem Töten von Tieren Einhalt gebot und den Status der Shudras hob.
Als die Judenpriester überheblich wurden, kam Jesus, um den Judaismus zu reinigen. Als auch das Christentum zu Bilderverehrung und Aberglauben degenerierte, tauchte Mohammed auf und predigte seinen Monotheismus.
So war jede neue Religion nur ein Bemühen, die ältere Religion in ihre damaligen Form zu reformieren und gegen ihren Mißbrauch zu protestieren.
Die Einheit, die allen Religionen zugrunde liegt
Alle Propheten sind Sendboten Gottes. Sie sind große Yogis und verwirklichte Seelen, die eine göttliche intuitive Gottesschau hatten. Ihre Worte sind unfehlbar und heilig. Der Koran, der Zend Avesta oder die Bibel sind genauso heilige Bücher wie die Bhagavad Gita. Alle enthalten die Essenz göttlicher Weisheit. Ahuramazda, Ishwara, Allah oder Jehovah sind verschiedene Namen für den einzigen Gott.
Die letzte Quelle der Religion ist Gott. Die fundamentalen Prinzipien, die Ihr Wesen ausmachen, wurden den Rishis oder Sehern am Beginn der Schöpfung von Gott offenbart. Sie finden sich in den Veden, die als die ältesten religiösen Bücher oder Schriften in der Menschheitsbibliothek anerkannt werden.
Die Grundlagen und das Wesentliche in allen Religionen sind gleich. Sie sind so alt wie das Menschengeschlecht. Eine wirkliche Erfindung oder Entdeckung auf dem Gebiet der Religion gab es nie, und wird es nie geben. Kein Religionsgründer hat je eine neue Religion erfunden oder eine neue Wahrheit enthüllt. Die Gründer sind in Wahrheit alle nur Vermittler, nicht aber tatsächliche Schöpfer.
Wahre Religion ist eins. Sie ist die Religion von Wahrheit und Liebe. Sie ist die Religion des Herzens. Sie ist die Religion des Dienens, des Opfers und der Entsagung. Sie ist die Religion von Güte, Liebenswürdigkeit und Toleranz.
Die Wahrheit ist weder hinduistisch noch mohammedanisch, weder buddhistisch noch christlich! Die Wahrheit ist eine einzige homogene und ewige Substanz. Der Anhänger der Religion der Wahrheit geht auf dem Pfad des Lichts, des Friedens, der Weisheit, der Kraft und der Wonne.
Verfall der Religion - Ursache und Abhilfe
Der Mensch vergißt alles über seine Religion aufgrund von Unwissenheit, Machtgier und Habsucht. Er ist unreligiös geworden. Er hat sich auf Tierniveau begeben. Er hat jeden Sinn für Moral verloren. Er wütet. Er richtet Schaden an. Er mordet, plündert und brennt Häuser nieder. Es herrscht das Gesetz des Dschungels.
Viele Menschen predigen den Buddhismus, niemand aber gibt Wünsche und Himsa auf. Viele predigen das Christentum, niemand aber übt Liebe und Verzeihen. Viele predigen den Islam, niemand aber anerkennt die Bruderschaft aller Menschen. Viele predigen den Hinduismus, niemand aber erkennt die Göttlichkeit in allem. Predigen ist zum Lebensunterhalt des Menschen geworden, während das Praktizieren Verachtung findet.
So kommt es, daß die Welt schlecht ist, nicht aus Mangel an Wahrheit und auch nicht wegen der Religionen; aber leider ist sie schlecht, weil es an wahren Anhängern dieser Ideale und Religionen fehlt.
In allen Religionen müssen die Anhänger richtig unterwiesen werden. Stelle die praktischen Lehren Deiner Religion vor die Anhänger dieser Religion, und ersinne Mittel und Wege, die sie in die Lage versetzen, diese Lehren im täglichen Leben auszudrücken. Ohne Praxis läßt Idealismus im Menschen Fatalismus entstehen. Wenn Erkenntnis nicht lebensverändernd ist, ist sie nutzlos. Selbstlosigkeit und Liebe sind keine Glaubensbekenntnisse, die gelehrt werden, sondern Ideale, die beispielgebend sein sollen, und die aufgezeigt und ausgestrahlt werden sollen. Daher praktiziere jeder seine eigene Religion und tue sein Bestes, um das Ziel zu erreichen. Möge die Religion Heilige und Yogis hervorbringen, anstatt Tempeln, Moscheen und Kirchen.
Stichwort: Mensch.
Körper, Geist und Seele
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Unsterblichkeit der Seele
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Der Niedergang des Menschen
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Der Mensch - ein vielschichtiges Wesen
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Evolution
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Der spirituelle Mensch
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Gott und Mensch
Das Baby weint. Das Kind springt, tanzt und spielt mit seinen Spielsachen. Das Schulkind geht mit seinen Büchern. Der junge Mensch macht Prüfungen. Der Jugendliche dreht seinen Schnurrbart, streitet, kämpft und läuft den Frauen hinterher. Er versucht, Ruhm und Ehre zu erwerben. Er hortet Reichtümer. Er zeugt Kinder. Dann wird er alt und trägt Brillen und falsche Zähne. Er stützt sich auf einen Stock. Dann stirbt er schließlich mit einem Schluckauf.
Wenn ein Tropfen Wasser auf eine heiße Eisenplatte gespritzt wird, zischt es, und er verdampft sofort. Der Mensch macht ein kleines Geräusch in der kurzen Phase, die man Leben nennt und verschwindet in einem Augenblick.
Was ist der Mensch? Was kann aus ihm werden? Was ist der Geist? Was ist der beste Zustand? Es ist wirklich nützlich, diese Dinge zu untersuchen.
Körper, Geist und Seele
Für den westlichen Menschen ist der Mensch bloß ein physisches Geschöpf, das mit einem Geist versehen ist und über eine Seele verfügt. Für den Hindu ist der Mensch im wesentlichen eine Seele, die sich durch Geist ausdrückt und als Gegenstück einen Körper hat, um auf der physischen Ebene funktionieren zu können.
Der Mensch ist eine Seele mit einem Körper. Der Mensch ist im wesentlichen ein spirituelles Wesen. Der Mensch lebt, weil er vom Wesen her eine Seele und einen Geist hat. Das innerste Wesen des Menschen ist Atman, der Göttliche Geist. Die wahre Natur des Menschen ist Gott. Der physische Körper und der Verstand hängen von der Seele im Inneren ab, von der der Mensch wenig oder nichts weiß. Wenn der Mensch den Geist erkennt, erlangt er Sicherheit, Gewißheit, Vollkommenheit, Freiheit, Unabhängigkeit, Unsterblichkeit und ewige Wonne.
Alle Menschen sind von ihrer Natur her gleich. Ein einziger Atman befindet sich auf gleiche Weise in allen Wesen. Durch die Natur des Bewußtseins sind alle Menschen gleich; aber durch die Natur des Geistes und des Lebens sind sie weit voneinander entfernt.
Der elektrische Strom, der durch verschiedene Glühbirnen fließt, ist ein und derselbe. Aber er wird auf verschiedene Weise wahrgenommen, weil die Glühbirnen sich voneinander unterscheiden. So sind die Menschen aufgrund der verschiedenen Arten von Geist und Temperament verschieden.
Der Mensch ist eine Dreiheit aus Körper, Geist und Seele. Bewußtsein ist verschleiert von Geist und Materie. Daher kann es seine wahre göttliche Natur nicht erkennen. Solange der Mensch nicht frei ist von der Bindung durch Geist und Materie, kann er keine Kenntnis des Selbst oder Atman haben.
Unsterblichkeit der Seele
Der Mensch ist nicht dieser Körper. Der Mensch ist nicht die Sinne, ja nicht einmal sein Geist. Das sind seine Upadhis, seine Vehikel. Körper und Geist unterliegen Veränderungen, Verfall und Tod; wohingegen der wahre Mensch, das unsterbliche Selbst, Atman, immer ist, niemals endet, ewig, ungeboren, vollkommen und uralt ist.
Man besitzt einen Körper, aber man ist nicht der Körper. Man hat einen Geist, aber man ist nicht der Geist. Körper und Geist sind Werkzeuge, wie die Werkzeuge eines Tischlers. Dieser Körper ist ein Instrument, ein Diener der Seele und nicht ihr Gefängnis.
Wisse, daß der Körper der Tempel des strahlenden Geistes ist, der selbstleuchtende Atman, die Seele im Inneren, die alle Fähigkeiten des Geistes und des Körpers kontrolliert und bewegt. Wisse, daß Du den Atem das Geistes atmest, nicht physischen Atem.
Der Tod beendet nicht alles. Der Tod bedeutet nicht vollständiges Verlöschen. Der Tod beendet nicht die ständige Abfolge. Das Handelnde, die Seele im Körper, kann und wird nicht mit dem Körper sterben. Die Seele des Menschen ist unsterblich. So wie ein Mensch einen Mantel ablegt, legt er beim physischen Tod auch den Körper ab.
Der Körper ist die Haut der Seele. Die Seele ist der Lenker des Körperwagens. Wenn der Körper zerstört wird, lebt der Geist weiter. Man hat noch immer Gedanken, Gedächtnis, Willenskraft und einen subtilen Körper.
Der Niedergang des Menschen
Der Mensch ist ein Bündel von Wünschen, Sehnsüchten, Emotionen, Gelüsten und Gedanken. Er ist eine Anhäufung von Wunsch, Wollen und Handlung. Er verlöscht, wenn das Feuer des Wunsches gelöscht wird. Er denkt und handelt danach. Denken ist das wirkliche Handeln. Er handelt, um das von ihm Gewünschte zu erhalten. Vielleicht sitzt er still mit geschlossenen Augen, aber das ist nicht Untätigsein. Sein Geist plant und arbeitet vielleicht. Wo immer ein Wunsch ist, wo immer Handlung ist, ist Unvollkommenheit. Ein Wunsch ist das Ergebnis von Unvollkommenheit und Begrenztheit.
Der Mensch ist begrenzt und unvollkommen. Er ist voller Begrenzungen. Sein Glück und sein Halt hängen ab von Dingen. Er hält immer seine Beziehung zu äußeren Dingen aufrecht. Er wird von seinen Wünschen mitgerissen und getrieben. Er wird zum Sklaven von Wünschen und Objekten.
Wünsche beherrschen den Menschen, und er wendet sein Gesicht von Gott ab. Er hat seine wahre göttliche Natur vergessen. Er hält sich für ein getrenntes Wesen. Er trennt sich vom Absoluten aufgrund von Unwissenheit und Egoismus. Also fühlt er sich unglücklich. Er vergaß seine ursprüngliche, göttliche und unendliche Natur.
Wenn ein Mensch seinen Egoismus und seine Vorstellung des Getrenntseins abtötet, wenn er seine Wünsche und Sehnsüchte auslöscht und sich mit dem Unendlichen identifiziert, werden alle Begrenzungen, Unvollkommenheiten und Kümmerlichkeiten enden. Er wird Unsterblichkeit und ewige Wonne erlangen.
Der Mensch - ein vielschichtiges Wesen
Der Mensch ist ein komplexes soziales Tier. Er ist ein biologischer Organismus und daher eindeutig definiert durch den Besitz bestimmter physiologischer Funktionen, wie Blutkreislauf, Verdauung, Atmung, Ausscheidung usw. Er ist auch eindeutig definiert durch den Besitz bestimmter psychologischer Funktionen wie Denken, Wahrnehmung, Gedächtnis, Vorstellung usw. Er sieht, denkt, schmeckt, riecht und fühlt. Philosophisch gesehen ist er das Abbild Gottes, vielmehr er ist Gott selbst. Er verlor seine göttliche Herrlichkeit, da er von der Frucht des verbotenen Baumes gekostet hat. Er kann seine verlorene Göttlichkeit wiedergewinnen durch geistige Disziplin und die Praxis von Konzentration.
Der Mensch ist ein vielschichtiges Wesen und hat verschiedene Hüllen, die seine wirkliche Person verdecken. Vielleicht identifiziert er sich mit dem groben physischen Körper und kümmert sich um seine Bedürfnisse, wie es ein Tier tut; oder er identifiziert sich vielleicht mit dem selbst-bewußten Verstand; oder er empfindet vielleicht sein Einssein mit seinem wahren Selbst, welches der ewige Beobachter von beiden ist. Die vitalen Ziele des Menschen, wie wertvoll sie auch an ihrem Platz sein mögen, können das spirituelle Wesen nicht über einen langen Zeitraum hinweg ohne vollständige Unordnung in der Persönlichkeit kontrollieren. Im modernen Menschen nimmt der selbst-bewußte Verstand, mit alle seinen natürlichen Begrenzungen den höchsten Rang ein; und selbstmörderischer Skeptizismus ist das Ergebnis.
Der Mensch setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen, nämlich ein menschliches Element, tierischer Instinkt und ein göttlicher Strahl. Er hat einen begrenzten Verstand, einen vergänglichen Körper, ein wenig Wissen und ein wenig Macht. Das macht ihn deutlich menschlich. Lust, Zorn und Haß gehören zu seiner tierischen Natur. Die Reflexion kosmischer Intelligenz steht hinter seinem Verstand. So ist er ein Abbild Gottes. Wenn die animalischen Instinkte sterben, wenn seine Unwissenheit zerfällt, und wenn er Unrecht und Beschimpfung zu erdulden vermag, wird er eins mit dem Göttlichen.
Der Mensch ist die höchste Manifestation des Lebens auf dieser Erde. Er ist das Abbild des Herrn. Er ist der Strahl des Herrn. Gott schuf den Menschen nach seinem Vorbild. Im wesentlichen ist der Mensch eins mit Gott. Er denkt, fühlt und weiß. Er kann unterscheiden, reflektieren und meditieren. Er kann das höchste Wissen über das Selbst erreichen. Daher ist er anderen Wesen überlegen, auch wenn er mit ihnen Essen, Schlafen, Furcht und Geschlechtsverkehr gemeinsam hat.
Evolution
Noch gestern war der Mensch ein Tier. Heute ist er ein Mensch. Es ist seine Bestimmung, als Ergebnis eines allmählichen Prozesses der Selbstvervolkommnung Brahman, das Absolute, zu werden.
Das Mineral wird die Pflanze mit Leben. Die Pflanze wird das Tier mit einer höheren Lebensstufe. Das Tier wird der Mensch mit Leben und Gedanken.
Der Stein schläft. Die Pflanze atmet. Das Tier bewegt sich. Der Mensch hat Bewußtsein. Der Weise ist überbewußt.
Der Mensch ist rational. Das Tier ist instinktiv. Der Weise ist intuitiv.
Von allen Geschöpfen Gottes kann nur der Mensch Gott verwirklichen. Er allein besitzt Unterscheidung, Intelligenz, Einsicht, Verstand und Urteilsvermögen. Der Verstand ist das größte Geschenk Gottes an den Menschen. Der Mensch ist ein armseliges physisches Wesen; seine Würde jedoch liegt im Denken, der Unterscheidung, dem Überlegen und dem Fragen.
Der Mensch entwickelt sich gemäß seiner Gedanken und Handlungen. Der Mensch verändert sich mit jedem Gedanken, den er denkt, und mit jeder Handlung, die er setzt.
Vom Bahnknoten in Bombay geht ein Zug direkt nach Delhi; ein anderer fährt nach Madras; wieder ein anderer fährt nach Nagpur. Genauso ist dieser Körper ein Knotenpunkt. Du kannst in den Himmel gehen, Brahma Loka, zu Brahman, wenn Du tugendhaft handelst. Du wirst in Tiergeburten fallen, wenn Du schlecht handelst. Du kannst Mensch bleiben, wenn Du normale vermischte Handlungen tust. Der Mensch selbst - und nur er - ist verantwortlich für alles Gute und Schlechte in seinem Leben. Durch einen langen Evolutionsprozeß und ständiges Bemühen kann er Vollkommenheit und Freiheit erreichen. Er wird immer wieder geboren und lernt aus seinen Erdenleben, wie man zu Vollkommenheit und Einheit mit Gott gelangt.
Wenn der Docht in der Lampe sehr klein ist, ist auch das Licht sehr klein. Wenn der Docht sehr groß ist, ist auch das Licht sehr stark. Genauso, wenn der Jiva rein ist und Meditation übt, wird die Manifestation des Selbst, sein Ausdruck, sehr stark sein. Er wird ein helles Licht ausstrahlen. Wenn er sündig und unrein ist, wird er wie verbrannte Holzkohle sein. Je größer der Docht ist, desto größer ist das Licht. Genauso, je reiner die Seele ist, desto großartiger ist Ihr Ausdruck.
Der spirituelle Mensch
Ich sage jedem Menschen: "Erneuere Dich. Strebe nach Vollkommenheit und Freiheit." Wende Dich Gott zu. Wende Dich dem göttlichen Licht zu. Du bist geboren worden, um das Licht Brahmans durch das Fleisch zu manifestieren.
Ein moralisches Leben führt Dich zum großen Tempel der Weisheit. Es gibt in diesem Universum nur einen heiligen Tempel, und dieser ist das Herz eines moralischen und spirituellen Menschen. Das Herz eines guten und frommen Menschen ist der Schrein oder Tempel Gottes in dieser Welt. Daher sei rechtschaffen. Übe Tugend.
Nur ein moralischer Mensch ist wirklich schön. Ein Mensch, der tugendhaft handelt und sanft und angenehm spricht, hat nicht seinesgleichen. Auch die Devas und Brahma verehren ihn. Wer wahrhaftig ist, sanft, bescheiden, tugendhaft und ehrlich, ist der beste Mensch.
Wer keine ethischen Tugenden hat, ist wie eine wilde Blume ohne Duft. Ein Mensch ohne Tugenden ist ein lebender Toter. Er ist für die Welt eine schädliche Gattung. Er wird von der Gesellschaft gemieden. Ein sinnlicher Mensch ist nicht besser als ein Tier. Die meisten Menschen sind nicht besser als Tiere. Sie sind ausgestoßen aus dem Reich von Frieden und ewiger Wonne. Daher entwickle sofort tugendhafte Eigenschaften. Barmherzigkeit, Dankbarkeit, Kenntnis der Schriften, Edelmut des Charakters, Selbstbeherrschung und Mut machen einen Menschen ruhmvoll und gefeiert.
Gott und Mensch
Der Mensch ist Gott in Verkleidung, der zum Spaß ein Gewand anlegt, und bald seine wahre Identität vergißt. Der Wunsch zieht ihn nach unten. Unterscheidungskraft erhebt ihn.
Wenn sich der Mensch entwickelt, ist er Gott. Wenn sich Gott zurückentwickelt, ist Er Mensch. Wenn Gott gebunden ist, ist Er Mensch, und der Mensch, der frei ist von Bindung, ist Gott. Ein getäuschter unwissender Mensch ist weltlich. Ein vollkommener Mensch ist Gott.
Gott wurde Mensch. Der Mensch wird wieder Gott werden. Gott plus Wunsch ist Mensch. Mensch minus Wunsch ist Gott. Die gottlosesten Menschen können durch aufrichtige Hingabe an Gott höchste Wonne erlangen.
Die Wahrheit liegt nicht außerhalb von Dir. Sie ist in Dir. Sie ist in der Tiefe Deines Herzens. Die bist eine Wahrheit Gottes, ein Werk Gottes und Gottes Wille. Du bist ungebunden, frei, ewig frei. Du bist Nitya Mukta Atman. Brülle Om. Verlasse den Käfig aus Fleisch und bewege Dich frei.
Göttliche Erkenntniss
von Swami Sivananda
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