Workshop Interviewtraining Präsentation Sebastian Schwarz Dortmund 2009
Wie kriege ich den dazu, dass er antwortet?
Was hat der gesagt?
1. Der perfekte Reporter
2. Das Interview
3. Vier Arten von Interview
4. Der Interviewer & der Interviewte
5. Die Themeneingrenzung
6. Wen willst Du befragen?
7. Die 8 W-Fragen
8. Rollenspiele
9. Aufbau und Ablauf des Interviews
10. Nach dem Interview
11. Vorgehensweisen
1. Der perfekte Reporter
Zu diesem Abschnitt gehört eine Grafik, die hier nicht wiedergegeben werden kann, eben ein perfekter Reporter.
2. Das Interview
ein Interview ist ein gezielter kommunikativer Austausch von Informationen zwischen (mind.) zwei Menschen
dabei handelt es sich um einen Sender, der Fragen stellt und einen Empfänger, der Antworten gibt
Ziel des Interviews ist die Beantwortung von Fragen und der Informationsaustausch von Sachgebieten
3. Vier Arten von Interview
- Themeninterview
Gespräch mit ausgewählten Gesprächspartnern, die sich zu einer bestimmten Sache / Aktualität äußern sollen
hier steht das Thema an erste Stelle
- Personeninterview
Gespräch mit direkt ausgewählten Gesprächspartnern, über die man mehr erfahren will (Hobbies, Lebenslauf, Interessen,...)
hier steht die Person an erster Stelle
- Diskussionsinterview
Gespräch mit mehreren meist in ihrer Einstellung und Meinung zu einem Thema unterschiedlichen Gesprächspartnern
hier steht die Diskussion von Themen an erster Stelle
- Umfrage & Meinungsinterview
Gespräch mit unterschiedlichen, meist unbestimmten Gesprächspartnern, die „zufällig" zu einem Thema angesprochen und befragt werden
hier steht der Mensch und das Thema (besonders die Meinung der Befragten) an erster Stelle
4. Der Interviewer & der Interviewte
Der Interviewer besitzt:
eine inhaltliche Ebene:
o d.h. er sollte sich gut auf ein Interview vorbereiten
o er sollte die Personen kennen und über sie bescheid wissen, die er befragt
o im Thema stehen und informiert sein
o ein gut vorbereitetes Interview besitzen
o die Situation des Interviews erkennen und beeinflussen können
eine emotionale Ebene:
o d.h. ein psychologisches Geschick besitzen
o er sollte sich zurückhalten
o aber auch selbstsicher, direkt und zielstrebig fragen
o er sollte rücksichtsvoll und „die Situation erkennend und verstehend" (be-) handeln
o aber auch in der Lage sein die Atmosphäre des Interviews entsprechend zu führen und zu gestalten
Der Interviewte besitzt:
eine inhaltliche Ebene:
o wie oben beschrieben
o darüber hinaus könnte er eine Pressemappe, Fotos, Arbeitsmaterial,... besitzen
eine emotionale Ebene:
o wie oben beschrieben
o auf „unangenehme" Fragen kann er auch immer nicht antworten
auch wenn der Interviewer ein Informationsinteresse und -recht besitzt, so liegt es am Interviewten, ob er antworten möchte oder „keinen Kommentar" abgibt
wichtig: auch ein „kein Kommentar" ist für den Interviewer ein Kommentar!
5. Die Themeneingrenzung
beachte bei der Auswahl des Themas immer diese Punkte
das Thema sollte von Interesse sein, d.h. es sollte attraktiv und interessant gestaltet sein
stelle Dir immer die Frage, wer Deinen Radiobeitrag (Podcast) hören soll
o habe eine Vorstellung von Deinem „idealen" Zuhörer
gestalte Deinen Beitrag, wie Du ihn selber gerne hören möchtest und versuche dabei zu interessieren und informieren, und nicht zu langweilen
bedenke immer die Frage, wieso Du gerade dieses Thema gewählt hast
o Wieso ist das so wichtig?
6. Wen willst Du befragen?
mache Dir klar, wen Du befragst, um DIE Antworten zu erhalten, die Du benötigst
o Bürgermeister sowie Kandidaten für dieses Amt
o Kommunalpolitiker, Ratsmitglieder und sonstige politische Entscheidungsträger
o Schuldirektoren
o Leiter von Einrichtungen, die Jugendliche betreffen (z.B. Jugendamt, Schulbehörde)
o Leiter von Unternehmen und Betrieben
o (potentielle) Unterstützer von Projekten wie z.B. Anwohner oder Besucher einer Einrichtung
o Wissenschaftler und sonstige Experten für ein Thema wie z.B. Umweltschutz, Lärmbelästigung, Verkehrsplanung
o ...
Wenn Du Dich auf einen oder mehrere „Wunschkandidaten" geeinigt hast, vereinbare einen Termin und bereite das Interview optimal vor
7. Die 8 W-Fragen
Wann
Warum
Was
Wer
Wie
Wieso
Wo
Woher
8. Rollenspiele
- der gutmütige Familienvater
er ist einer der besten Gesprächspartner
solange er Zeit besitzt ist er aufmerksam, entgegenkommend, nett und hilfsbereit
wenn Du diesem entsprichst, wird das Interview super
- die ältere und misstrauische Dame
sie weiß nicht so ganz, was sie von der ganzen „Interviewsache" zu halten hat
sie ist skeptisch, misstrauisch und hat Angst
bleibe hier ruhig und geduldig
dazu stets hilfsbereit, nett und freundlich
erkläre ggf. Fragen, wenn sie nicht verstanden werden
gewinne das Vertrauen, indem Du ihr in die Augen schaust, sie anlächelst und sie reden lässt
sage ihr, dass Du es super findest, dass sie Zeit für Dich hat und dass Du ihre Mithilfe überaus schätzt
- der ungeduldige Mann mit knapper Zeit
er hat eigentlich gar keine Zeit, ist unterwegs und hektisch
jedoch möchte er zum Thema etwas sagen (wenn auch nur kurz)
fasse Dich kurz
stelle die Fragen schnell, präzise und prägnant (nenne nur das Wichtigste)
frage nach, ob ihm das Thema generell interessiert, und ob er trotz seiner knappen Zeit etwas dazu sagen möchte
solltest Du schon merken, dass er „nicht bei der Sache" ist, dann verzichte auf das Gespräch und breche es ab
o was Du brauchst sind verwertbare Argumente, und keine „Nebenbeiantworten"
- die uninteressierte und wenig informierte Frau
man erkennt diese sehr gut daran, dass keine wirklichen Antworten gegeben werden, wenig gesprochen wird, vieles doppelt genannt wird und oft Ausschweifungen erfolgen
sollte man erkennen, dass eine Gesprächsperson keine wirklichen Antworten gibt, und sich zu Antworten „überreden" lässt, dann stelle die Fragen allgemeiner
frage hier eher emotional, als rational, bestimmt und intellektuell, wobei Du aber auch offene Fragen stellen solltes
- der kritische und „nüchternde" Bankangestellte
Du merkst schnell, dass Du diesem Menschen nichts vormachen kannst
er antwortet präzise, genau auf dem Punkt, evtl. etwas sehr kritisch und achtet auf bestimmte Wortwahl und Ausdruck - oft meint er, dass hinter einem „simplen" Interview etwas anderes steckt und ist deshalb schnell skeptisch
mache also deutlich, dass das Interview seriös ist
nenne, woher Du kommst, was Du willst und was ihn erwartet
drücke Dich deutlich aus und dass Du seine Privatsphäre und Anonymität respektieren und beachten wirst
sei selber „nüchtern", glaubwürdig, geschäftlich, sachlich und professionell
- die neugierige und nachfragende Frau
dieser Mensch zeigt sich sehr redefreudig und interessiert
dieses merkt man auch, dass Rückfragen gestellt werden, Antworten und Meinungen ausgeweitet und mit evtl. persönlichen Ereignissen untermauert werden
einige Rückfragen könntest Du ruhig beantworten, um die positive Gesprächssituation aufrecht zu erhalten
jedoch solltest Du immer wissen, dass DU das Interview führst und bestimmst
sei daher auch direkt, gesprächsbestimmend und zielgerichtet
weise ggf. den Befragten auf das Interview, die Zeit und den Rahmen hin
mache dies stets freundlich und rücksichtsvoll
9. Aufbau und Ablauf des Interviews
Vor dem Interview
bereite Dich gut vor
mache Dir klar, was Du hören willst und stelle entsprechend die Fragen
o denke daran, ein Interview ist wie ein Diktat (Du stellst hier die Fragen)
sei rechtzeitig da (ca. 10-15 Minuten eher)
bevor das Interview losgeht und Du Technik (Aufnahmegeräte,...) verwendest, versichere Dich (am besten vorher), das diese funktionieren, schalte es schon recht früh ein und lasse es die ganze Zeit mitlaufen (geschnitten wird später!!!)
o versichere Dich dabei, dass Du keine „Störquellen" in Deiner Nähe hast, wie tickende Uhren,...
begrüße Deinen Interviewpartner freundlich und direkt
o schüttele ihm dabei die Hand
o schaue ihm dabei in die Augen
o lächele etwas
o sei Dir sicher, dass Dein Handy und weitere Störquellen ausgeschaltet sind
stelle Dich und Dein Projekt ordentlich, „sauber" und direkt vor (Deinen Namen, Deine Organisation, Anlass Deiner Befragung)
merke Dir auf jeden Fall seinen Namen, wenn er sich bei Dir vorstellt
sollte ein Interviewer zu Dir kommen, sorge in jedem Falle für eine „angenehme" Situation und Atmosphäre
o dem Interviewten soll es angenehm und gut gehen
o der Interviewte soll Vertrauen aufbauen, sich wohl fühlen und sich an die Situation gewöhnen können
Während des Interviews
bevor die Fragen losgehen, mache Dir eins immer klar:
o stelle immer offene Fragen (also Fragen, die nicht einfach mit „ja/nein" beantwortet werden können)
o vermeide Kettenfragen (stelle nicht gleich 5 Fragen auf einmal, sonst sucht sich Dein Interviewpartner die leichteste und angenehmste heraus)
o sei bei den Fragen immer ruhig und professionell (auch wenn Du vor Dir eine „berühmte" Persönlichkeit sitzen hast, vergiss nicht, das er in diesem Augenblick einfach nur ein Mensch ist, der zu antworten hat)
o vermeide so gut es geht „ähs" und „öhs", sowie Floskeln, Geschwafel und Stottereien - Du vollziehst hier ein Handwerk aus den „FF", das muss Dein Gegenüber merken
o das Gespräch selber brauchst Du nicht mitzuschreiben, dafür nimmst Du es ja auf, aber mache Dir Notizen, wie sich Dein Gegenüber bei bestimmten Fragen verhält
ob er Schweiß auf der Stirn hat
ob er auf seinem Stuhl hin und her rutscht
ob er sein Gesicht verzieht (es ist ihm „angehnehm" / „unangenehm")
ob er Zeit zum antworten braucht oder nicht
vergiss nicht, dass man bei einem Podcast so etwas nicht SIEHT, darum muss es später „hörbar" gemacht werden
stelle zuerst „unproblematische" Fragen, evtl. sanfte Einstiege, um den Start des Interviews „harmonisch" zu beginnen
o bedanke Dich vielleicht zuerst um die Zeit, die Dein Interviewpartner für Dich und Deine Zwecke zur Verfügung stellt
o gehe evtl. darauf ein, welchen guten Dienst er für Dich und Deine Recherche bringt
beginne also mit einer Einleitungsfrage, um den persönlichen Redefluss zu beginnen
o schaue Dir dabei die Person gut an und merke Dir seine Haltung, Gestik, Kleidung, usw.
versichere Dich also, um welche Art Typ es bei Deinem Gegenüber geht
analysiere seine psychologische Struktur und stelle Dich im weiteren Verlauf auf seine Person ein
in weiteren Verlauf kannst zu von eher angenehmeren Fragen zu emotionaleren oder auch kritischen Fragen kommen
2 Möglichkeiten:
o Colombo-Effekt:
initiiere bei Deinem Interviewpartner die ganze Zeit Sicherheit
verweise irgendwann auf das Ende (Bsp.: „So, bevor wir gleich zum Ende kommen..." oder „Ich habe genau noch 2 Fragen...")
komme dann noch mit sehr „unangenehmen" oder kritischen Fragen - stelle dabei die wichtigste Frage und bleibe hartnäckig
o Wellen-(Intervall-)Effekt:
unterteile Dein Interview in mehrere Bereiche
stelle zuerst immer „angenehme" und vorbereitende Fragen
komme am jeweiligen Ende eines Interwalls (einer Welle) zu einer „unangenehmen" und kritischen Frage
Bsp.: Erst soll jemand mit seiner Meinung zu etwas Stellung nehmen (evtl. sagt jemand, man solle sich mehr für soziale Gerechtigkeit einsetzen), und komme dann zu einer aktuellen Begebenheit, die evtl. in gegensätzliche Richtung weist: („Gerade sagten Sie, man solle mehr für die soziale Gerechtigkeit tun, wieso haben sie dann veranlasst, dass Kürzungen am Sozialetat vollzogen wurden?") - drehe ihm also etwas das „Wort im Munde" herum
im weiteren Verlauf des Interviews, analysiere stets die Person Dir gegenüber, gehe dabei immer auf die unterschiedlichen Persönlichkeiten ein
wenn man merkt, dass das, was der Interviewte nicht zu gebrauchen ist, dann sage es offen heraus
o merke Dir immer: sage, was stört
o Bsp.:
fassen Sie sich bitte kürzer
benutzen Sie bitte nicht so viele Fremdwörter
ich verstehe Sie nicht, was bedeutet das
bitte drücken Sie sich anders aus
bedenke dabei bitte immer auch die Situation, in der sich der Befragte befindet
o auch für ihn ist diese Situation ggf. nicht leicht
o bedenke hier immer die unterschiedlichen Persönlichkeiten und gehe entsprechend auf sie ein
Bsp.: „Das haben sie jetzt sehr schön erzählt. Es wäre sehr nett von Ihnen, wenn sie es noch einmal kurz zusammenfassen könnten."
versichere Dich immer dabei, dass Du seine Antworten verstehst
o sei also immer aufmerksam und HÖRE WIRKLICH ZU
o wenn Du etwas nicht verstehst, frage nach, oder bitte ihn, sich anders auszudrücken (nicht vergessen, Du führst das Interview, damit Du es verstehst, und damit Du das Thema anderen erklären und zusammenfassen kannst)
wenn jemand viel antwortet, so fasse Deine Fragen kürzer (evtl. sehr speziell)
wenn jemand wenig antwortet, so stelle Deine Fragen länger und so, dass Dein Gegenüber „viel sagen muss"
o bringe ihn dabei mit Deinem Scharm in Sicherheit
o gehe auf sein Gesagtes ein
o positives Feedback
und immer wieder merken:
o mache Dir stets bewusst, dass Du das Interview führst
o lasse Dich nicht mit einfach Antworten „abspeisen"
o bleibe hartnäckig und professionell
o aber vor allem HÖRE ZU UND DENKE MIT
10. Nach dem Interview
nach dem Interview, verabschiede Dich freundlich und aufmerksam vom Gesprächspartner
schüttele ihm die Hände und sieh ihm in die Augen
bemerke evtl., dass das Interview sehr hilfreich für Deine Arbeit ist und bedanke Dich für die bereitgestellte Zeit
frage evtl. nach, ob ein Hören des Podcasts (oder des Interviewausschnitts) gewünscht wird, um es autorisieren zu lassen
frage nach evtl. Pressematerialien wie Fotos, Broschüren, Portraitmappen, usw.
solltest Du selber Fotos machen wollen, zeige sie dem Interviewpartner, um sie autorisieren zu lassen
nehme dabei immer sein „okay" auf Band auf, um sie für das Internet und die Berichte nutzen zu können
mache Dir stets klar, dass Du diverse Menschen immer „zweimal im Leben wieder siehst", verlasse also das Gespräch und den Ort mit der Sicherheit, ein weiteres Mal erscheinen zu dürfen (rede, lache, schimpfe usw. also bitte erst, sobald Du die Tür des Hauses verlassen hast, und komme nicht in die Situation, dass Dein Interviewpartner dies noch hören kann)
Nach dem Interview
höre Dir das gesamte Interview noch einmal an und lasse es in Deinem Kopf Revue passieren
erstelle eine Interviewübersicht und unterteile es evtl. in mehrere Abschnitte
stelle dabei das Wichtigste und die „Highlights" heraus, von denen Du meinst, dass man sie auf jeden Fall gebrauchen könnte
bedenke den Aufbau eines Podcasts und die Konstruktion Deines Interviews
o möchtest Du eine Klimaxstruktur
o oder eine pro-contra-Struktur
o möchtest Du ein Meinungsbild
o ...
11. Vorgehensweisen
erstelle einen Antwortenkatalog, d.h. überlege Dir Antworten, die Du gerne hören und haben willst (erkundige Dich hierbei vorher sehr genau, mit wem Du ein Interview führst, um was es geht und wieso ein Interview geführt werden soll)
wenn dieser fertig ist, überlege Dir dazu Fragen
mach Dir dabei immer klar, dass Deine Antworten nicht so erscheinen werden, wie Du Dir sie vorstellst, jedoch kann man so die Richtung des Interviews vorgeben
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